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| Book description |
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(retrieved from Amazon Fri, 24 Apr 2009 07:58:03 -0400)
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Kasper hat die besondere Fähigkeit, Tonarten aus den Menschen herauszuhören, er besitzt eine Art absolutes übersinnliches Gehör. Er kann Schwingungen wahrnehmen und Schmerzen erfühlen, deswegen arbeitet er auch als Musiktherapeut. Außerdem kann er auch über die Hintergrundtöne beim Telefonieren (z.B. über das Glockenläuten) den Anrufer lokalisieren.
Die dänische Polizei ist hinter Kasper her und will ihn wegen Steuerhinterziehung nach Spanien ausweisen. Doch Kasper wird parallel hierzu von der "blauen Dame", Äbtissin des Rabia-Stifts um Hilfe bei der Suche nach KlaraMaria und anderen entführten Kindern gebeten. Allen Kindern ist gleich, dass auch sie besondere Wahrnehmungsfähigkeiten besitzen. Die Story erscheint zunächst reichlich verwirrend, und springt hin und her, aber der Stil von Peter Hoeg ist brillant, und entschädigt für die teilweise doch zu konstruierte und abstruse Handlung.
Ich liebe Peter Hoegs unnachahmliche Ausdruckskraft und seine bildhafte Sprache - Bezeichnungen, wie "bigbandartige Wachheit", "apokalyptische Streitigkeiten" oder "cromagnonartiger Brummschädel" stehen bei ihm auf der Tagesordnung. Der Roman kommt zugleich sehr ernsthaft und doch auch ausgesprochen ironisch daher: ..."was einen zu der Frage führte, ob tatsächlich alles Fortschritt genannt werden konnte, was sich seit der Geburt des Erlösers in einem Stall ereignet hatte". Er flicht Weltanschauungen. Lebensweisheiten und seine Überzeugungen sehr gekonnt in die Handlung ein. Sein Wissen erscheint umfassend und in verschiedensten Bereichen fundiert - hier speziell im Bereich der Musikwissenschaft. Kasper Krone ist ein absoluter Johann Sebastian Bach-Fan und -Kenner.
Auch die Nebenpersonen im Roman werden sehr genau gezeichnet und sind von skurriler bis liebenswerter Art. Da gibt es zum Beispiel Franz Fieber, den Taxifahrer mit der Behindertenkonzession oder die kampfsporterprobte Afrikanerin "Schwester Gloria", Asta Borello, die gewissenhafte Amtmännin, die Kasper ausweisen will und natürlich jede Menge Bösewichte. Der Roman wird nie langweilig, nur stellenweise, wie gesagt, etwas nebulös.
Was mich als Frau besonders freut, ist der Respekt und die stille Bewunderung, die der Clown Kasper allem Weiblichen gegenüber zeigt: ..."vom Weiblichen geht halt ein ununterbrochener Strom heilender Vitalenergie aus", oder "wie schon so oft sehnte er sich danach, in einer Welt zu leben, die von Frauen gemanagt wird" und dass er immer von "Gott der Herrin" spricht. Sätze wie "Wenn der Kontakt zweier Menschen intensiver wird, klingt die äußere Welt zunächst ab, dann fängt sie an, sich aufzulösen. Weil in diesem Moment für jeden der beiden Menschen im Universum nur der andere existiert", finde ich wunderschön. Auch sucht Kasper Zuspruch und Trost im Gebet, was ihn mir sehr sympathisch macht. Er liebt seine "Stine" immer noch, und kommt nicht von ihr los, obwohl sie schon lange nichts mehr von ihm wissen will und die Umstände ihres Verschwindens nicht so ganz klar sind.
Insgesamt finde ich den Roman unbedingt lesenswert und faszinierend! Ich habe mir vorgenommen, ihn bei Gelegenheit ein zweites Mal zu lesen, damit ich die jetzt noch etwas nebulösen Passagen mehr verinnerlichen kann. Wenn ich ihn mit der "Smilla" vergleiche, so fand ich die "Smilla" durchgängig spannender und mitreißender, aber "Das stille Mädchen" nicht weniger interessant. Ich gebe dem Roman fünf Punkte und halte ihn für sehr empfehlenswert!