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Loading... Cyber City Süd.by Herbert W. Franke
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Cyber City Süd, kurz CCS, ist die Vergnügungsstadt der Superlative. In der Zeit nach den großen Ölgeschäften (also je nach dem welcher Schätzung man glauben will irgendwas zwischen fünfzig und hundert Jahre in der Zukunft) irgendwo „im Südosten der arabischen Halbinsel“ als alternative Einnahmequelle aus dem Wüstenboden gestampft.
Was es nicht alles gibt in diesem Las Vegas des Orients. Fahrten vom Dach des Hotels mit der „zehnspurigen Achterbahn“ durch virtuelle Welten. „Unglaublich realitätsnahe“ Flüge mit Gleitscheiben, Wettläufe mit Wasserskiern und und und.
CCS hat jedoch ein Riesen Problem: Das Wasser wird langsam knapp.
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Das liest sich alles noch recht gut und wirkt auch durchdacht und in sich schlüssig, solange bis sich die Protagonistin, Majda, abends in ihrem Hotelzimmer vor die „Fersehwand“ setzt und ein bisschen im „CCS-Videotext“ liest. Da kommt man zum Ersten mal ins Grübeln, und man fragt sich: Gibt es in dieser Welt, in der man in „Flugscheiben“ anreist, die Stadt in „Schwebebooten“ erkundet, sich vom „Genmanipulierten“ Personal einen Tropic Mix servieren lässt den man im Hotelzimmer vor dem „Diamantglasfenster“ zu sich nimmt bevor man sich in sein Bett mit „Nanoschaumkissen“ legt, kein etwas moderneres Info-Medium als ausgerechnet „Videotext“?
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Die schon kurz erwähnte Protagonistin kann auch nicht wirklich überzeugen. Majda, 25, arbeitet irgendwas in irgendeinem Büro (genaueres weiß man nicht), kommt nach CCS um nach Spuren ihres seit zwanzig Jahren verschollenen Vaters zu Suchen. Dieser war einst mit der Suche und Erschließung noch unentdeckter Wasservorkommen beauftragt. Majda stolpert so naiv und unbeholfen durch die Handlung, dass sie einem schon Leid tut. Ihr ursprüngliches Ziel, die Suche nach ihrem Vater, verliert sie streckenweise komplett aus den Augen, und kommt ihr erst wieder in den Sinn, als sie das Ersparte fast aufgebraucht hat und ihr wegen fehlender „Inter-Dollar“ die Ausweisung droht.
„Ich habe keinen Plan“ sagt sie schon auf Seite 15. Wie recht sie doch hat.
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Von ganz anderer Qualität scheint da schon Ghory zu sein. Der Protagonist des zweiten Erzählstrangs. Ghory, 28, „Stabilitätsquotient 98%" (muss was tolles sein), „Teil der Führungselite“ einer „gentechnisch perfektionierten“ kleinen aber schlagkräftigen Armee, die seit nunmehr zwanzig Jahren in einem unterirdischen Bunkersystem lebt. Dort bereiten sie sich auf den Tag vor, an dem sie „Ihre Stadt“ zurückerobern. Ghory bemerkt als erster und auch einziger eine unglaubliche Intrige innerhalb der obersten Führungsriege.
Ein echter Held also. Doch leider nur bis Seite 207.Als Ghory beschließt, aus dem Bunkersystem zu fliehen, muss man folgendes lesen:
„Der Schein der (Helm)Lampe vor ihm sprang hektisch hin und her…er musste erst lernen, ihn durch die Haltung seines Kopfes dorthin zu lenken, wo er ihm nützlich sein konnte“
Wie Bitte. Der „gentechnisch perfektionierte“ “Teil der Führungselite“, der praktisch sein ganzes Leben unter der Erde verbracht hat, der seit zwanzig Jahren für die Eroberung der Stadt trainiert, ist zu dämlich mit einer Helmlampe umzugehen?
Auf Seite 300 passiert ihm dann auch noch das hier:
„Als er erwachte, drang helles Licht von außen herein. Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass es schon fast acht Uhr am Morgen war – er hatte verschlafen“
Wie Bitte. Der „gentechnisch perfektionierte usw usw.
Auf Seite 301:„Er wollte gerade hinunterblicken, da merkte er, dass er eine Schnur streifte, und im selben Moment rollte etwas unter ihm scheppernd den Hang hinunter“
Wie Bitte usw usw.
Man könnte diese Aufzählung der Merkwürdigkeiten (höflich gesagt) noch endlos weiterführen, doch um den Rahmen dieses Erfahrungsberichts nicht vollends zu sprengen, soll jetzt erstmal Schluss sein.
Na, vielleicht doch noch nicht ganz. Drei Fragen hätte ich noch:
1. Wie kann man sich in einem Kellerraum befinden „der nur durch ein paar Kerzen matt erleuchtet war“ (S. 267) und der gleichzeitig „nur durch zwei von der Decke herabhängende Lampen mit grünen Glasschirmen beleuchtet“ ist? (S. 268)
2. Ist es nicht ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen, nachts in einem unterirdischen Bunker folgendes zu versuchen: „Noch immer klemmte die Tür, und Mustafa musste mehrmals mit seinem schweren Hammer gegen das Metall schlagen, wobei er sich bemühte, möglichst wenig Lärm zu machen“ (S. 237) Tja, der gute Mustafa. Stets bemüht, allein es wird ihm nicht gelingen.
Und zu guter letzt die brennenste aller Fragen, die sich spätestens ab der Hälfte des Buches im Kopf des Lesers festsetzt und einfach nicht mehr verschwinden will:
Zu welchem Buch gehört eigentlich der Klappentext, der einen „atemberaubend spannende(n) Roman“ verspricht? Cyber City Süd kann unmöglich damit gemeint sein. Hier muss eine Verwechslung von Seiten des Verlags vorliegen. (