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Great story (or stories), one more fantastic than the next! Baudlino, the lucky liar, retells his involvement in every real and imagined scenario in the ages of the crusades. A cross between Forst Gump and 1001 Arabian Nights
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| Book description |
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(retrieved from Amazon Fri, 24 Apr 2009 07:58:25 -0400)
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Diese Rezension bezieht sich lediglich auf die Audioversion des Buches "Baudolino" von Umberto Eco. Dem Autor dieser Rezension ist die Printversion des Buches nicht bekannt.
Um es gleich vorweg zu sagen: Für Mediävisten oder Menschen mit einem gewissen Interesse für das Mittelalter verspricht das Hörbuch eine Qualität, die etwa drei Sternen entspricht.
Umberto Eco schreibt keine leichte Kost. Das finde ich persönlich nicht schlimm, im Gegenteil. Die Sprache, die er wählt, ist auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt aber auch gleichzeitig verständlich. Man muß sich konzentrieren und wird zum Nachdenken angeregt. Das gefällt mir. Eco hat allerdings das Problem, daß seine Sprache nicht zu berühren weiß, auch wenn er sich an manchen Stellen redlich Mühe gibt.
So hat man nach Anhören des Romans das Gefühl, für gewisse Themen interessiert und auch intellektuell unterhalten worden zu sein. Aber die Figuren und ihre Schicksale wußten nicht zu berühren. Es war, als hätte man hinter einer aufwändigen Theaterkulisse die kalte Stahlkonstruktion erkennen können. Gerade an den Stellen, die emotional berühren sollten, ließ sich heraushören, daß das Werk konstruiert ist...nicht authentisch, nicht wirklich mit Herz geschrieben. Und wenn bei solch wichtigen Stellen derartige Eindrücke auftauchen, dann läuft etwas gehörig schief.
In diesem Zusammenhang ist auch der größte Makel des Buches zu nennen, nämlich die Darstellung und Beschreibung der Charaktere. Weder Baudolino selbst, noch seine Kameraden, weder der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Friedrich I. genannt "Barbarossa", noch der Geschichtsschreiber und Baudolinos Gesprächspartner Kyrios Niketas weisen eine greifbare Tiefe auf. Flach gezeichnet sind sie, allesamt Mittel zum Zweck...zu Werkzeugen des Autors degradiert, mit denen er seinen Roman baut.
Auf diese Weise erschafft Eco eine emotionale Distanz zwischen dem Zuhörer und seinen Figuren. Sie wirken unecht, farblos, seelenlos...das nimmt bisweilen derart groteske Züge an, daß man meinen könnte, es handele sich hierbei um eine absichtlich verwendete literarische Kunstform, eine bewusste Surrealität (mit diesem Teil der Kritik spiele ich NICHT auf den Teil des Buches an, der die Reise zu Presbyter Johannes beschreibt, sondern meine lediglich die Darstellung der Figuren!). Aber entweder ist dieser Kunstgriff einfach nicht gelungen oder es war gar nicht Ecos Intention, einen solchen Stil zu verwenden. So oder so, die Romanfiguren wissen nicht zu überzeugen und gehen einem Stellenweise richtiggehend auf die Nerven.
An dieser Stelle sei angemerkt, daß Eco es mit seiner überspitzten Darstellung des von Aberglauben und Naivität geprägten Menschen des Mittelalters stellenweise derart übertreibt, daß es schon an Arroganz grenzt. Die Menschen dieser Zeit hatten natürlich ein Weltbild und eine Art, an naturwissenschaftliche Prinzipien heranzutreten, wie man sie aus heutiger Sicht leicht belächeln kann. Die Charaktere dieses Romans jedoch vermitteln darüber hinaus eine grundsätzliche Dämlichkeit, daß man sich bisweilen fragt, wie sie sich über eine derart lange Zeitspanne am Leben halten können.
Um ein wenig mehr auf die Figur des Baudolino einzugehen, muß man sagen, daß der Protagonist des Romans stark polarisiert, denn mit ihm steht und fällt der gesamte Roman. Der Schelmenroman an sich lebt davon, daß vom Hauptakteur, trotz seiner Dreistigkeiten und Untaten, ein gewisser Charme ausgehen muß, damit man als Leser sich auf ihn einlassen kann.
Baudolino ist dieser Charme nicht vergönnt. Das liegt an der oben beschriebenen Oberflächlichkeit der Figur. Darüber hinaus muß man aber auch sagen, liegt es an dem Sprecher, Jens Wawrczeck, der ein hervorragender Synchronsprecher ist und auch für dieses Buch routiniert und handwerklich ausgezeichnet gearbeitet hat. Bekannterweise hat er aber nun auch eine sehr spezielle Stimme und in Verbindung mit Baudolino, erhält diese Figur dadurch einen eher negativen Touch.
Die Story ist, wie schon häufiger erwähnt, bis zum Tode Friedrich I. in sich schlüssig, wenn auch stark episodisch aufgebaut, und auch interessant. Das grundlegende Konzept des Romans funktioniert bis dahin, auch wenn die Charaktere nicht zu überzeugen wissen.
Ab dem Tode Friedrich I. und der daran anschließenden Reise zu Presbyter Johannes, verändern sich die Stimmung und die Atmosphäre des Romans. Hier wird besonders deutlich, daß Eco Baudolino offenbar als Figur konzipiert hat, bei der der Leser/Zuhörer sich selbst immer wieder fragt, wie weit er selbst ihm trauen kann. Hätte der Autor Baudolino und die anderen Figuren charismatischer und überzeugender gestaltet, wäre dieses Konzept vollkommen aufgegangen und hätte zu einem großen Kunstgriff avancieren können.
So aber bleibt nur der Eintritt in eine Welt, die von sagenhaften Figuren des mittel- und osteuropäischen Aberglaubens bevölkert wird und als Zuhörer weiß man einfach nicht, was das nun soll. Diese Welt, in der die "Helden" des Romans den Presbyter Johannes zu finden hoffen, wirkt nicht bedrohlich, nicht liebevoll, nicht sympatisch, nicht spannend...sie wirkt allenfalls aufgesetzt...eben konstruiert.
Verbirgt sich hinter diesem Teil der Geschichte eine tiefgründige Aussage? Ein gesellschaftskritischer Fingerzeig oder eine Pointe, die sich mir nicht erschlossen hat? Ausschließen möchte ich das nicht, kann man doch nicht mit Sicherheit sagen, bei einem Hörbuch alle Feinheiten und Nuancen herauszufiltern und immer erfolgreich zwischen den Zeilen zu "hören". Dennoch muß ich sagen, ist mir auch nach langem Nachdenken nicht aufgegangen, was man diesem Teil der Geschichte sinnvolles entnehmen kann.
Die Produktion des Hörbuchs ist hervorragend! Die Sprecher sind allesamt sehr gut (sie können ja nichts dafür, welche Rolle man ihnen zuweist) und die musikalische Untermalung ist sehr gut gelungen und richtig dosiert, sowohl was die Lautstärke angeht, als auch ihren Umfang. Besonders Hervorzuheben sind hier die Geräuschkulissen. Sie sind für Hörbücher absolut vorbildlich und tragen gewaltig zu einer stimmigen Atmosphäre bei.
Damit ist nun alles gesagt, was es aus meiner Sicht zu diesem Hörbuch zu sagen gibt. Vielen Dank für das Durchhaltevermögen bis hierher.;-)
Auf bald!
Theryn