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zum beispiel k. by Michael Wildenhain
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zum beispiel k.

by Michael Wildenhain

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Klaus Pokatzky: Der Roman der Berliner Hausbesetzer-Szene - Aus der Traum - Michael Wildenhain: "zum beispiel k.". Alles wie gehabt: Eine Weile durften die Hausbesetzer Schlagzeilen machen, avancierten zu gefragten Informanten der Magazine und Funkanstalten auf deren Trips in die alternative Welt - dann waren sie ausgelutscht. Heute fragt kaum noch einer nach ihnen. Wenn ihnen alle paar Wochen mal wieder eines ihrer instandbesetzten Häuser weggenommen wird, dann bringt dies, wenn überhaupt, eine winzige Meldung. Solange schlagzeilenträchtige Straßen- und Steinschlachten ausbleiben, scheint die Frage müßig, was aus ihren Zielen und Sehnsüchten geworden ist. Da erscheint zur rechten Zeit ein Buch, dessen Autor selbst eine Zeitlang Hausbesetzer war. Keine analytisch-politisierende Schrift, sondern eine Erzählung, spannend, sehr schön und sauber geschrieben. Das ist keine Hausbesetzer-Biographie, sondern ein stellenweise außerordentlich witziges, gelegentlich auch boshaftes Stück Literatur, in dem der Autor sicherlich manche persönliche Erfahrung untergebracht, in deren Kunstfigur K. er aber geschickt und schlüssig eine ganze Reihe von Personen und Charakteren aus seiner Besetzer-Umgebung gepackt und verarbeitet hat. Zu befürchten ist leider, daß bei der Resonanz auf diesen Erstling der hier geschaffene, unverstellte und ungewohnte Einblick in die Szene der Bewegung im Vordergrund stehen und die sprachlichen und stilistischen Qualitäten des Werkes übersehen werden. Dabei macht dieses gerade den Reiz aus: daß hier einer, dessen Parteinahme und Parteilichkeit gar nicht zur Debatte stehen, mit großem Bemühen um sprachlich-formale Überzeugungskraft, offen und unverkrampft, ohne Rücksichtnahme auf negative Reaktionen oder gar Rachegefühle in der Szenerie, das schildert, was ihm widerfahren ist mit Besetzern und Sympathisanten, mit Polizisten und anderen Militanten, wie er sie erlebt und gesehen hat. Damit werden etliche Mythen und Legenden zerstört, an denen nicht nur Journalisten, sondern auch die Hausbesetzer selber kräftig mitgestrickt haben: Hier wird nichts romantisiert und verklärt, hier wird Klartext geredet, auch wenn das nicht nur für den Autor schmerzlich ist. Ein unabhängiger Kopf blickt zurück, mal ironisch, mal erbittert, und immer ziemlich souverän die literarischen Spielformen nützend. Was der Verlag veröffentlicht, ist die dritte Fassung des ursprünglichen Manuskripts. Daß hier nicht nur ein sorgfältiges Lektorat, sondern auch ein fleißiger Autor am Werke waren, merkt man an jedem Kapitel. K. ist einer, der am Anfang in Berlin vor sich hinstudiert, nebenher in Betrieben jobbt, wo er bei Kopierarbeiten zwischendurch auch rasch mal ein eigenes Gedicht in den Vervielfältiger schieben kann. Er lebt zu Hause bei den Eltern in Schöneberg, spart sein Geld, um irgendwann doch die lang ersehnte Reise nach Asien anzutreten - und hat unentwegt seine kleinen, und großen Probleme mit der geschlechtlichen Innen- und Außenwelt. Zu den schönsten, weil witzigsten, sensibelsten und persönlichsten Passagen gehören die Stellen, in denen Michael Wildenhain seine "Beziehungskisten" und "-kästchen" schildert. Der "Gesichter, die am Montag tot sind, um am Freitag zu leben und am Sonntag zu sterben", denen er alltäglich in der U-Bahn begegnet, mehr und mehr überdrüssig, wird K., der politisch Aufmerksame, von dem Boom der Hausbesetzungen zur Jahreswende 1980/81 animiert. Also gibt er sein Ticket für Asien zurück, besetzt mit einigen anderen sein und ihr Haus - und macht schließlich die Entwicklung mit, die so viele in der Berliner Besetzerwelt erlebt haben. Da stürzen erst wir Mediengeier uns auf die Besetzen Nachdenkliche (und opportunistische) Politiker aller Schattierungen loben sie, weil erst sie die Gesellschaft, endlich, wenn auch mit radikalen Methoden, auf unerträglichen "Wohnungsleerstand" und widerliches Spekulantentum hingewiesen haben. Eine Zeitlang wird, durch das publizistische und politische Klima gefördert, das Hausbesetzen zu einer relativ risikolosen Mode-Erscheinung: Wenn auch nicht legal, so erscheint es vielen doch als legitim, und die Hausbesetzer erfreuen sich eines beträchtlichen Ansehens in weiten Teilen der Öffentlichkeit - und keineswegs, wenn auch da besonders stark, nur bei Jüngeren. Die Hausbesetzer haben ihr positives Bild, weil sie radikal auszuleben versuchen, wovon viele nur zu träumen wagen: ganz andere "Lebenszusammenhänge", Wonnen nicht mehr nur in isolierten Anderthalb-Zimmer-Silos, ja, noch nicht einmal in verstreuten Wohngemeinschaften - sondern Leben in Hausgemeinschaften ohne Hauswirt oder spekulierenden Eigentümer. Ja: Leben in ganzen Blöcken und Straßenzügen wird schon gedacht und geplant und am Reißbrett liebevoll-säuberlich und hübsch bunt anzusehen von sympathisierenden Architekten und Städteplanern ausgemalt - wieder mit alten Fahrradwerkstätten und Töpfereien und Kräutergärten im Hinterhof, mit kleinen Läden, Altencafes, Mieterberatungen unten im Haus. Es sind Träume von einer heilen Welt inmitten der kaputten Großstädte - Träume, die so konsequent noch nie in diesem Lande geträumt und, wenigstens ansatzweise, in die Realität umgesetzt wurden. Michael Wildenhain schildert, weniger warum als vielmehr, wie dieses so nicht kam, sondern wie den Besetzern, von einer anfangs enthusiastischen Sympathisantenschaft mehr und mehr alleingelassen, der Atem ausging - bedrängt von einer härteren Politik und einer immer härter werdenden Polizei. Wildenhain beschreibt die Parasiten unter den Besetzern, das oft selbstverschuldete Unvermögen, mit den hochfliegenden Illusionen und Plänen auch nur ansatzweise Schritt zu halten. Und er beschreibt, eindringlich und schonungslos, die Gewalt in den Köpfen und den Herzen und den Händen - die Gewalt, wie sie lustvoll und sinnlos von Militanten unter den Besetzern ausgeübt wird, als Selbstzweck mehr und mehr; aber auch die Gewalt, wie sie lustvoll und sinnlos von Polizisten praktiziert wird. Zu den stärksten Szenen im Buch gehört k.s Begegnung mit dem früheren Freund Andi, dem Kumpel aus gemeinsamen Zeltlagern, den er nun bei einer Demonstration als Polizeibeamten wiedertrifft: "Dann hat k. in zwei augen gesehen, die durch seinen kopf genagelt blieben, geradeaus festgebunden, über den dünnen oberlippenbart, zwischen backen, die heiß geworden sind, hey, andi, hat k. sagen wollen, hätte der andere einen schritt gezögert, ausgestellte füße, die hände am rücken verschränkt, den kleinen gummiknüppel an der schlaufe, k. denkt an die gemeinsamen Zeltlager und leckt mit der zunge die trocknen lippen, versteckt das lächeln schnell im einem gähnen, 'kennst du den bullen?' fragt ihn eine lederjacke, und k. wedelt mit dem kopf." Michael Wildenhain gehört, zu jenen Hausbesetzern, welche die Entwicklung bis zum heutigen Tage vorausgesehen haben, nicht nur die Verfahrensweise des anfangs halbwegs liberalen CDU-Senats, sondern auch die Unmöglichkeit einer solchen Bewegung, sich in unserer Gesellschaft zu halten. Von den rund 200 Häusern, die in Berlin zeitweilig besetzt waren, werden letztlich vielleicht zwanzig Prozent übrigbleiben: mit ordentlichen Miet- und Nutzungsverträgen ausgestattet, nach langwierigen Verhandlungen mit Senat und Wohnungsbaugesellschaften. Der Rest wird abgeräumt, und viele Leute werden auf der Strecke bleiben: einige bei Demonstrationen festgenommen, inhaftiert und verurteilt - und das sind nicht immer die, die wirklich Steine geworfen haben. Wer dieses Milieu in Berlin kennt, wird Wildenhain recht geben: Viele Besetzer sind in den letzten zweieinhalb Jahren in einer ganz neuen, seltsamen Weise "politisiert". "Im Moment ist alles in Auflösung begriffen", sagt Wildenhain im Gespräch, "und das ist ja vielleicht auch ganz gut so, denn das schafft ja vielleicht eine neue Offenheit."
  Aficionado | May 10, 2015 |
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