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Dieter Petzold

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J. R. R. Tolkien (1980) 4 copies

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Rezension zu Inhaltswerk: Merlin. Ein Mythos und seine Aufarbeitung in der filmischen Populärkultur, Nadia Ghattas/Susanne Kroner, in: Inklings, Band 18 – Phantastik des Zukünftigen, Dieter Petzold (Hrsg.), Brendow, Moers (2000)

Nadia Ghattas Forschungsschwerpunkte, visualisierende Erzähltechniken und filmische Montage bzw. Montagetheorie, prägen den Esssay in der ersten Hälfte. Susanne Kroner kann ich jetzt nur mit zwei Essays in Thomas Le Blanc und Johannes Rüsters show more „Glaubenswelten“, Phantastische Bibliothek Wetzlar (2005), festmachen. Beide liegen eher im Bereich der Science Fiction. Leider wurde sie im Kapitel „Die Beiträger“ des Buches nicht erwähnt, was ich für ein Versäumnis halte. Wobei ich feststellen muss, dass das Lektorat stellenweise etwas verunglückt ist (Was keinen Abbruch an meiner Empfehlung der Reihe INKLINGS-Jahrbuch für Literatur und Ästhetik tut).

Diese beiden Damen versuchen hier den Mythos Merlin in der filmischen Populärkultur zu orten. Der Titel ist für mich etwas hochgestochen und kann auch nicht ganz erfüllt werden.

Als Aufhänger dient die Fernsehproduktion „Merlin“ aus dem Jahr 1998. Eine Produktion die, nach meiner Erinnerung, vom Publikum ganz gut aufgenommen wurde. Nach dem fachlichen Urteil der beiden Damen kommt die Produktion jedoch nicht wirklich gut weg. Auch wenn sie dem Film Gutes abgewinnen können, ist der Tenor der Besprechung eigentlich: „grottenschlecht“. So weit, so gut und eigentlich für das Thema nur bedingt nützlich.

So kommt man, in Kapitel 3, nach 10 Seiten zum eigentlichen Thema der Aufarbeitung des Mythos im Film. Warum man sich im Titel auf die „Populärkultur“ beschränkt ist mir schleierhaft.

In den letzten 8 Seiten betrachten sie die Produktion im Vergleich zu „Excalibur“ aus 1981, „Der erste Ritter“ aus 1995 und „Die Ritter der Tafelrunde“ aus 1953. Dazu noch zwei Zeichentrickfilme, „Das magische Schwert – Die Legende von Camelot“ aus 1998 und „Die Hexe und der Zauberer“ aus 1963. Man überspannt damit einen Zeitraum von fast 50 Jahren.

Die Grundaussage zu „Merlin“ ist, dass sich dieser Film „als Kind der, für die 90er symptomatischen, Suche nach geistiger Führung“ zeigt. Als weiteres Beispiel für diese Aussage wird nun „Der erste Ritter“ herangezogen. Das Problem dabei sehe ich in dem Umstand, dass dieser Film zwar die Artussage rezipiert, jedoch nach eigener Aussage der Autorinen vollständig auf Merlin verzichtet.

Die Problematik ein Thema mit Medien zu besprechen, die dieses Thema nicht beinhalten, liegt auf der Hand. Eine Aussage wäre höchstens, dass der Mythos Merlin in diesem Film für verzichtbar gehalten wurde bzw. dass aus thematischen Gründen, die aber im Thema der Artusrezeption liegen, auf Merlin verzichtet wurde.

Genauso problematisch muss die Betrachtung von „Das magische Schwert – Die Legende von Camelot“ bleiben. Auch hier ist die Figur von Merlin eine unbedeutende Nebenfigur die für Betrachtung des Mythos eigentlich nichts hergibt. Die Autorinen betrachten den Umstand der Bedeutungslosigkeit jedoch als „systembestätigend“. Wobei ein System noch gar nicht geortet wurde.

„Die Ritter der Tafelrunde“ aus den frühen 50er Jahren bringen und in der Betrachtung des Merlin-Mythos auch nicht wirklich weiter. Als „äußerst christianisierter Magier, dessen wahre Natur hinter der Funktion des weisen Beraters völlig verschwunden ist„, kann die Aussage zum Mythos eigentlich auch nur sein, dass dieser für die Funktion des Filmes völlig unerheblich ist.

Die Aussage, „… Bedenkt man die enge Verknüpfung von Moral und Religion und das Streben nach Legitimation als moralisch führende Nation, das die USA beginnend mit den 50 Jahren verstärkt auszeichnet, spiegeln dieser Film und die Adaption der Merlinfigur ihre Zeit deutlich wieder.„, halte ich für mölicherweise durchaus richtig, aber was trägt sie zur Betrachtung des Merlin-Mytos bei. In der filmische Aufbereitung stärkt sie das Argument, dass der Mythos eigentlich nicht benötigt wird.

In „Die Hexe und der Zauberer“ „ironisiert die Figur sämtliche konservativen Konzepte von Autorität“ und „fügt sich damit bestens in die antiautoritären pädagogischen Tendenzen der 60er Jahre“. Schön, allerding halte ich den Vergleich diese Zeichentrickfilms mit den anderen Filmen auf Grund des Zielpuplikums für bedenklich. Der Zeichtrickfilm, in seiner Konzeption als kindergerechter Filmspaß ist, so glaube ich, nicht als ernstzunehmende Bearbeitung des Merlinmythos zu betrachten. Insoferne sagt das natürlich schon etwas über die filmische Aufbreitung des Mythos aus.

Für die Autorinnen ergibt sich schließlich folgendes Bild: “ … Das Sicherheitsbedürfnis der 50 Jahre (Knights of the Round Table), das Bewustsein einer Umwandlung (The Sword in the Stone), die Endzeitstimmung der von Terrorismus und Wettrüsten geprägten 70er und 80er (Excalibur), die nachträgliche Legitimation der amerikanischen Intervention im Golfkrieg (The first Knight), die Political Correctness der 90er (The Magig Sword) und schließlich die mit Ende des Jahrtausends zunehmende Esoterikbegeisterung (Merlin) werden vom jeweiligen Artusfilm in auffälligem Maß gespiegelt. …“

… und die anschießende Frage der Autorinnen: „Was für eine Haltung werden kommende Artusfilme einnehmen?“ zeigt nochmals in eine Richtung, die diesem Essay laut Titel eigentlich nichtzugrunde liegen sollte.

Ich habe den Eindruck, dass die Autorinnen schlicht und einfach den Mythos „Merlin“ mit dem Mythos „Artus“ verwechseln. Schon alleine, dass in den meisten besprochenen Filmen Merlin nicht oder kaum ein Rolle spielt weist auf diesen Umstand hin. Wenn dies nicht der Fall wäre, so gelingt es ihnen jedenfalls nicht ihren Weg der Aufarbeitung schlüssig zu beschreiten.

Man mag diese vorangegangenen Ausführungen jetzt für einen, vielleicht sogar schlimmen, Verriss des Essay halten, aber so sehe ich das jetzt nicht so. Ja, ich halte den sinngebenden Titel für nicht erfüllt, aber die Arbeit hat unbestritten ihren Sinn. Abgesehen davon, dass sie eine, meines Erachtens eine fundierte und gut begründete Besprechung des Filmes „Merlin“ beinhaltet (der mir persönlich gut gefallen hat), so ist das Wagnis, den Mythos Merlin auf die Waagschale zu werfen, zu begrüßen.

Mir hat es jedenfalls gezeigt, dass nicht überall wo Merlin draufsteht auch Merlin drinn ist. Das hat bei meinen Recherchen auch Sinn…

Dazu die bibliografischen Daten:

Dieter Petzold (Editor)
Inklings, Band 18: Zukunft des Phantastischen – Phantastik des Zukünftigen – Zeitgenössische Fantasy und Phantastik (Inklings Jahrbuch für Literatur Und Asthetik)
Brendow, Moers (2000), Taschenbuch, 386 Seiten
ISBN 3870678534

antiquarisch: derzeit vergriffen

Buchverbindungen:
Rezension von: Das Fantasy Lexikon, Lexikon-Imprint-Verlag, 1999
erwähnt: Lexikon der Monster, Geister und Dämonen, Lexikon-Imprint-Verlag, 2000

sekundärliterarisch relevanter deutschsprachiger Inhalt:
1. Vorwort (8-9)
2. Elemente des Phantastischen in Architektur und Stadtraum der Zukunft / Christan W. Thomsen (Autor/in) (10-45)
3. Die Weltbibliothek als Labyrinth / Karl R. Kegler (Autor/in) (46-71)
4. This Home by Horror Haunted: Phantastik-Architektur-Manierismus in Jean Rays Roman Malpertius / Thomas Amos (Autor/in) (72-91)
5. Vernetzung und Entgrenzung: Telegraphie und Literatur / Elmar Schenkel (Autor/in) (92-106)
6. Transzendenz in der Science Fiction: Aus Platons Höhle zu Stapledons „Star Maker“ / Finn Riedel (Autor/in) (121-133)
7. Die Lust am Untergang: Endzeitthematik und Schwarzer Humor in der (post)modernen englischsprachigen Literatur (178-201)
8. „Die auserwählten Köpfe, die nie sterben“: Künstlicher Mensch versus christliches Menschenbild in C. S. Lewis‘ „That Hideous Strength“ / Thomas Gerold (Autor/in) (202-221)
9. Cyberspace – Cyborg – AI: Technologie in William Gibsons „Neuromancer“ / Markus Säbel (Autor/in) (250-271)
10. Die Mabinogion und ihre Nachfahren / Karl Hepfer (Autor/in) (290-311)
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Zum Inhaltswerk:
Merlin im Spiegel der Moderne, Karl Hepfer, Seite 226-245

n letzter Zeit sind mir einige recht interessante Veröffentlichungen in Verbindung mit dem Zauberer, Seher und Königsratgeber Merlin in die Hände gefallen.

Unteranderem zwei Essays in den bekannten INKLINGS-Jahrbüchern, die ich ohnehin empfehle zu lesen.

In Band 17, Seiten 226-245, lässt uns Karl Hepfer „Merlin im Spiegel der Moderne“ betrachten (das zweite Essay, „Merlin: Ein Mythos und seine Aufarbeitung in show more der filmischen Populärkultur“ von Nadia Ghattas und Susanne Kroner, in: Inklngs, Band 18) werde ich zu gegebener Zeit noch rezensieren). Im Vertrauen kein leichtes Unterfangen. Sehr wissenschaftlich und manchmal etwas kryptisch. Aber ich bin ja auch kein Wissenschaftler.

Wichtig für mich schien mir jedenfalls eher das „rundherum“. Woher kommt Merlin literarisch? Warum ist diese Figur im Nebel der Geschichte so verschwommen wahrnehmbar? Ist er eher eine literarische Gestalt oder gibt es auch konkrete Hinweise auf eine historische Figur Merlin?

Wie es oft sonderbar einhergeht, habe ich für meine Recherche zu meinen sekundärliterarischen Vorhaben, die „VITA MERLINI“ von Geoffry of Monmouth gesucht und gefunden. Jedoch fand ich keinen wirklichen Einstieg in das Thema, warum auch immer, manchmal ist es eben so. Da kam dieses Essay zufällig gerade recht.

Laut Karl Hepfer, und das nehme ich an ist keine neue Erkenntnis von ihm, ist der Seher und Magier Merlin 1136 erstmalig literarisch fassbar. Diese mittelalterliche Gestalt geistert also seit undenklichen 🙂 Zeiten durch die Köpfe der Menschen. Obwohl es auch für möglich gehalten wird, dass diese Figur bereits auf eine historische Gestalt des 6. Jahrhunderts zurückgeht.

Hepfer vermittelte mir auch, dass man wohl mit der „Prophetiae Merlini“ (Ende 1135), welche später in die „Historia regum Britanniae“ (1136) eingearbeitet wurde und dort in späterer Zeit als Buch VII weite Verbreitung fand, die Betrachtung beginnen muss. Mit der „Vita Merlini“ (zwischen 1148 und 1150) ändert sich die Beschreibung von Merlin etwas.

Zunächst gilt Merlin als Sohn eines Teufels und einer Jungfrau (ein göttliches Zeichen?), wird der Ratgeber der herrschenden Könige Britanniens wie, Ambrosius, Uther und Arthur. Er errichtet Stonehenge in Dalisbury Plain und ist an der Zeugung Arturs verursachend beteiligt.

In der „Vita Merlini“ ändert sich das Bild und Merlin wird als Krieger und König dargestellt, der auch als Barde und Druide geschildert wird. Es zieht sich, nach einer Schlacht um den Verstand gekommen, in den Wald zurück und wird als Prophet und Seher beschrieben.

Die erste Erwähnung der Tafelrunde und von Avalon wird 1155 von Wace, der die „Historia regnum Britanniae“ ins Französische übersetzt („Le Roman de Brut„). Allerdings mit Veränderungen aus anderen Quellen. Die Figur Merlins wird eine überaus bekannte Figur im gesamten mittelalterlichen Europa.

Ab hier ist es dann für mich schwierig Hepfer wirklich zu folgen bzw. seine Ausführungen in letzter Konsequenz zu verstehen. Was mich so noch nicht wirklich stört, da ich mit fortschreitender Einarbeitung in das Thema sicher genug Kenntnisse ansammeln kann um dem Essay eine zweite Chance zu geben.

Jedenfalls durchleuchtet Hepfer die Merlin-Geschichte(n) von T.H.White, C.S.Lewis und J.C.Powys. Er ist damit in der Moderne angekommen. Von Ersterem analysiert er „The One and Future King“ bzw. „The Book of Merlyn“. Von Zeiterem betrachtet er „That Hideous Strength“ bzw. „The Abolition of Man. Ridell Memorial Lectures“. Von Letzterem steht „Porius. A Romance of the Dark Ages“ zur Diskussion.

Um jemanden, der den Essay nicht zu fassen bekommt zu helfen, hier das Conclusio von Karl Hepfer:

„… White erzählt mit Witz und Ironie. Allein der erzählerische Trick, Malory vom Standpunkt der Moderne her wiederzugeben, bietet mannigfaltige Möglichkeiten der Ironisierung. Ganz offenkundig ist der Autor in die Sprache verliebt: … […] … C.S.Lewis hingegen erzählt nicht ohne Engagement, aber aus kühler Distanz, mit einer so überquellenden Phantasie, dass man sich als Leser fragt, ob Anleihen bei Olaf Stapledon nötig waren. …[…] … Powys schließlich geht ganz und gar in seinem Roman auf. […] In seiner Merlin-Gestalt, die mit der Wiederkehr des Goldenen Zeitalters verbunden ist, summieren sich alle Elemente einer in einem langen Leben erworbenen Weltanschauung. …“ (Auszug Seite 224-245)

Interessiert? Ich kann das Essay jedenfalls empfehlen, es bietet eine Fülle von interessantem Material. Grundsätzlich sei auch die Inklings-Reihe wärmstens ans Herz gelegt. Die Jahrbücher sind immer eine Lesung wert. Hingewiesen sei auch noch aus sekundärliterarischer Sicht auf das „Nachwort: Im Banne Merlins oder Der Prophet und die Romantiker“ von Kurt Günzel in: „Geschichte des Zauberers Merlin„, Dorothea und Friedrich Schlegel, Diederichs, Köln (1984), das das Vorliegende wunderbar ergänzt (dazu auch ein andermal).

von: sebesta-seklit.net am 18-4-2017
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