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Jochen Schmidt (3) (1970–)

Author of Schneckenmühle: Langsame Runde

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Works by Jochen Schmidt

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Common Knowledge

Birthdate
1970-11-09
Gender
male
Occupations
writer
translator
Nationality
Germany
Birthplace
East Berlin, Germany
Associated Place (for map)
East Berlin, Germany

Members

Reviews

4 reviews
Fabulierfreudig verfasste Jochen Schmidt originelle ABC-Geschichten für Erwachsene, die von Line Hoven wunderbar illustriert wurden. Ihre Bilder entwickeln dabei eine Eigendynamik, die den Kurzerzählungen Schmidts eine weitere Deutungsebene hinzufügen und ohne dieses Buch seinen Reiz einbüßen würde.
Absatzlose Texte kann ich nicht leiden. Seitenweise Buchstabenwüste, ohne diesen schmalen Freiraum zwischen den Zeilen, ohne die Möglichkeit, abzusetzen, nachzudenken, einen Schlusspunkt für heute zu finden. Ich brauche eine absatzgegebene, äußere Struktur, sichtbare Lese-Etappenziele auf kurze Sicht, sonst verliere ich mich im Wortgewimmel. Es macht mich nervös und gibt mir das Gefühl, keine Orientierung mehr zu haben.

Jochen Schmidts "Phlox" ist genau so geschrieben. Und trotzdem show more habe ich das Buch (zuerst gefürchtet und dann) richtig gern gelesen.

Richard Sparka, bekannt bereits aus dem Roman Zuckersand, hat "endlich", wie er sagt, seinen Job als Texter für Produktwerbungen hingeschmissen, um sich seiner Studie "über die Schönheit" voll und ganz widmen zu können. Er fährt mit seinen Kindern Karl und Ricarda sowie seiner Lebensgefährtin Klara ein letztes Mal in den Ort Schmogrow im Oderbruch, wo er bereits seit Kindheit Urlaube verbracht hat, mit vielen Menschen, insbesondere auch solchen aus dem Westen.
Auf den absatzlosen Seiten erzählt und mischt Schmidt nur scheinbar völlig wahllos assoziierend den gegenwärtigen Urlaub, die Kindheits-Erinnerungen Richards sowie Versatzstücke von den Erzählungen der Vermieter:innen Herr und Frau Tatziet sowie deren verschiedenen Verwandten aus Ost und West, Nachbarinnen, Reisenden.

Es fällt mir schwer, den Strang der Erzählung wiederzugeben, da er eigentlich nicht existiert. Ich finde ich das Buch genial, weil es sich erst nach und nach als feinsinnige Charakterstudie über Richard entpuppt, der nicht fokussieren kann, nichts loslassen, alles in sich aufsaugen und wiedergeben muss und dessen Beziehungen aus ihrer Prekarität ihre Dauerhaftigkeit ziehen (so abstrus das klingen mag). Vielleicht ist das der eigentliche rote Faden dieses schönen, melancholischen Romans, und deshalb passt auch die Absatzlosigkeit so hervorragend, die mich in diesem Text dann gar nicht mehr gestört hat.
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½
Der Protagonist Richard Sparka erzählt, und dies minutiös, vom Aufwachsen seines zweijährigen Sohnes Karl. Der nicht zu bändigende Eifer, mit dem Sparka alles festzuhalten, keine Sekunde zu verpassen versucht und zugleich immer wieder in seine eigene, noch lange nicht losgelassene Kindheit abschweift, dies einzufangen gelingt Jochen Schmidt grandios. Es geht ums nicht-loslassen-können, wobei das Festhalten von allem mit großer Konfusion einhergeht. Wirklich gelungen und manchmal schwer show more zu ertragen, auch die Art und Weise, wie Karlas Ansichten und Hinweise stets als kaum zu hinterfragende Referenz in Richards Leben und das von Karl eingreifen.
Ich habe das Buch gelesen, weil es dem Roman Phlox von Schmidt zeitlich vorangeht.
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