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Works by Hartmut Rübner

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(Geleitwort) : Dieses Buch schließt eine Forschungslücke der bundesdeutschen Geschichte. Nach Jahrzehnten der politischen Denunziation und auch der Selbstbezichtigung früherer Akteure nähert sich die vorliegende sozialwissenschaftliche Studie mit der gebotenen Distanz einem Schlüsselproblem der neuen Sozialbewegungen seit dem Ende der 1960er Jahre. Es ist die Konfrontation mit den extremen Ausgrenzungs- und Abwehroperationen des Staates und der postnazistischen Machteliten als Reaktion show more auf den Aufbruch in Richtung Selbstbestimmung und soziale Gleichheit. Medienhetze und gewalttätige Polizeieinsätze steigerten damals die Repression ins Maßlose, der Einsatz von Agents Provocateurs, die Stigmatisierung der "Rädels-führer", aber auch die berufliche Gefährdung aller anderen AktivistInnen wegen Bagatelldelikte gehörten zum Alltag. Wie reagierten die Akteure der neuen sozialen Bewegungen auf diese Bedrohungen? Die Studie zeich-net die einzelnen Etappen nach von den elementaren Handlungen der gegenseitigen Hilfe bis zum Versuch, den Repressionsapparat in die bislang erprobten Aktikulationsformen des Massenprotests einzubeziehen. Mit der Selbstauflösung des SDS im Jahr 1970 endete die erste Phase: Es war nicht gelungen, Polizei und Justiz aus dem Stand heraus zu demokratisieren. Das Schutz- und Sicherheitsbedürfnis innerhalb der neuen Sozial-bewegungen gewann schließlich existenzielle Dimensionen. Ausgehend von diesem Abwehrsyndrom entfalte-te sich eine sozialpsychologische Dynamik, die die bis dahin gewonnene alternative Sprengkraft der sozialen Massenbewegung zunehmend abschwächte. Im Verlauf der 1970er Jahre dehnte sie sich zwar scheinbar aus und erreichte durch die neue Frauenbewegung, die Hausbesetzerszene, die Jugendzentren und die Lehrlings- und Schülerbewegung immer neue Gesellschaftsschichten. Doch ihre prinzipiellen Errungenschaften, die Offenheit der kollektiven Diskussions- und Entscheidungsprozesse und der damit verbundene antiautoritäre Habitus, gingen bis auf minoritäre Kontexte verloren. Insgesamt traten die "Organisationsfrage" und militante Tendenzen als Antwort auf die eskalierende Repression in den Vordergrund. Die Folge waren Prozesse der gegenseitigen Isolierung, Spaltungen, klandestine Bewaffnung und Rückgriffe auf autoritäre Kaderstrukturen, die sehr rasch mit den Insignien konkurrierender orthodoxer Heilserwartungen versehen wurden. Diese Tendenzen zur gesellschaftlichen Ausweitung und gleichzeitigen Selbstabschottung und Militarisierung mussten die Initiativen zur Solidarität mit immer häufigeren Konflikten mit dem Repressionsapparat Rechnung tragen. Hartmut Rübner zeichnet in seiner Studie nach, welche Wege sie dabei einschlugen. Es entstanden die "Roten Hilfen" der maoistischen und neo-kommunistischen Parteiströmungen, aber auch organisationsübergreifende Ansätze zur Unterstützung politisch Verfolgter und die "Schwarzen Hilfen" der undogmatischen Szene, die das Gefängnis- und Strafsystem in seiner Gesamtheit in den Blick nahmen und Ansätze zur Unterstützung aller Internierten bis hin zu den Insassen der psychiatrischen Anstalten entwickelten. Alle Initiativen entfalteten eine erstaunliche Energie und rauften sich trotz ihrer Unterschiede immer wieder zu Aktionsbündnissen zusammen. Wie Rübner nachweist, gab es mindestens 90 Standorte, einige von ihnen betreuten bis zu 500 Gefangene, und alle entwickelten eine rege publizistische Tätigkeit. Dabei erlernten sie einen pragmatischen Umgang mit den organisatorischen Zusammenhängen und den bewaffneten Gruppen, denen sich die Inhaftierten zurechneten. Wegweisend waren in dieser Hinsicht vor allem die Gruppierungen des Sozialistischen Büros, die über 100 involvierten Anwaltskanzleien und die organisationsübergreifend aktiven Initiativen und Kampagnen. In diesen Ansätzen war die Hoffnung lebendig, durch die Verankerung in den elementaren Strukturen der wechselseitigen Hilfe den um sich greifenden Fragmentierungsprozessen der neuen Sozialbewegungen aufhalten zu können. Dieser Versuch scheiterte schließlich zu Beginn der 1980er Jahre. Aus der Rückschau muss aber gesagt werden, dass bei den "Roten" und "Schwarzen Hilfen" ein Wissen um die ursprünglichen Stärken des großen Aufbruchs von "1968" bewahrt blieb, das nicht nur vielen Verfolgten zugutekam, sondern auch von einer Weitsicht zeugte, die einem Großteil der bewaffneten Gruppen und den Parteikadern fremd blieb. Vielleicht ist es just auf diesen Hintergrund zurückzuführen, dass die publizierenden Renegaten und der Mainstream der nachwachsenden HistorikerInnen das Phänomen der "Roten" und "Schwarzen Hilfen" bis heute ausblenden. Soweit die sozialwissenschaftliche Perspektive. Als Militanter der 1960er und 1970er Jahre war ich persönlich involviert. Ich nahm an den Diskussionen des autonomen Spektrums der Gefangenenhilfe teil, gehörte aber auch zu jenen Gefangenen, für deren Überleben sich Tausende von Menschen engagiert haben. Das "Organisieren der Solidarität" erlebte ich somit gleichzeitig als "Externer" und als "Betroffener" mit. Aus beiden Sichtweisen kann ich nur bestätigen, dass die AktivistInnen der gegenseitigen Hilfe und der Solidaritätskampagnen nicht nur sehr handfeste und überlebenswichtige Unterstützungsarbeit leisteten, sondern auch die verschiedenen Tendenzen der neuen Sozialbewegungen testeten und ihre Kontroversen austrugen. So verhielt es sich beispielsweise im Fall Peter Schult, dem Mentor der süddeutschen Gefangenenbewegung. Schult war bekennender Pädophiler, und er wollte auch die sich aus diesem Verständnis ergebenden juristischen Folgen in das Netzwerk der Solidarität eingebaut wissen. Exponentinnen der neuen Frauenbewegung stellten sich ihm dabei entschieden in den Weg - ein prophetischer Vorgriff auf die Missbrauchs-Debatten von heute. Ich habe aber auch schmerzhaft die Grenzen unseres solidarischen Handelns miterleben müssen, so etwa am Beispiel des Hamburger APO-Aktivisten Günter Schniedel, den ein eingeschleuster Agent der Staatsschutzpolizei wegen "schweren Landfriedensbruchs" ans Messer geliefert hatte. Wir engagierten uns sehr für Schniedel, und Peter Brückner gutachtete engagiert für seine Verteidigung und später für seine Haftentlassung. Es war alles vergebens. Schmiedel erkrankte in den Monaten der Isolationshaft psychisch. Er brach mit uns nach seiner Freilassung und tötete sich schließlich. Sein Schicksal steht für viele Andere, die damals untergingen, weil die Kraft der Solidaritätsbewegung nicht ausreichte, um ihre Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft und ein befreites Leben aufrecht zu erhalten. Ihnen stehen mehrere Hundert gegenüber, die dank der Enragés der gegenseitigen Hilfe überlebt haben. show less
Das Buch beschreibt die Sozial-, Ideen- und Organisationsgeschichte der anarchosyndikalistischen Gewerkschafts- und Kulturbewegung von den Anfängen bis zum Zeitpunkt ihrer Zerschlagung im Jahre 1933. Die Forschungsergebnisse zum Thema faßt der Autor in seiner Arbeit zusammen und ergänzt sie durch vertiefende Quellenstudien. Dabei beschäftigt er sich ausführlich mit Fragestellungen, die bisher nur unzureichend behandelt wurden: mit bestimmten Berufsgruppen, wie beispielsweise den show more syndikalistischen Seeleuteorganisationen, und mit dem breiten Spektrum der kulturellen Initiativen, die innerhalb oder im engeren Umfeld der FAUD(AS) existierten.

Die anarchosyndikalistische "Gegenkultur" bildete ein weit verzweigtes Netzwerk der unterschiedlichsten Vereinigungen. In der Gilde freiheitlicher Bücherfreunde, den syndikalistischen Frauenbünden, der syndikalistisch-anarchistischen Jugend, der antiautoritären Kinderbewegung, den Genossenschafts- und Siedlungsprojekten sowie in den antifaschistischen 'Schwarzen Scharen' spiegelt sich nahezu die gesamte linke Kulturbewegung der Weimarer Republik in einem verkleinerten Maßstab wider. Auch die Freidenker- und Sexualreformbewegung werden in ihren Berührungsflächen zur FAUD dokumentiert.

Detailliert analysiert der Autor das Spannungsfeld der FAUD zwischen einer Gewerkschafts- und Kulturorganisation, das syndikalistische Rätemodell, die Mitgliederstrukturen der Organisation sowie die programmatisch-praktischen Querverbindungen zum Anarchismus und rätekommunistischen Unionismus. Dabei wird deutlich, daß der Anarchosyndikalismus der Weimarer Republik vieles von den alternativen Entwürfen vorwegnahm, die später in den "Neuen Sozialen Bewegungen" der Bundesrepublik zu neuer Aktualität gelangten und dort zur Verwirklichung basisdemokratischer Vorstellungen führten.

INHALT: Vorbemerkung // 1. Die Entwicklung des organisierten Anarchismus im Kaiserreich - 1.1. Die radikale Opposition innerhalb der Sozialdemokratie - 1.2. Die Verselbständigung der anarchistischen Bewegung // 2. Von der gewerkschaftlichen Opposition zur syndikalistischen 'Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften (FVdG)' - 2.1. Die Ausformung des gewerkschaftlichen Lokalismus - 2.2. Die FVdG zwischen Sozialdemokratie und Anarchismus // 3. Die Entwicklung der FAUD: Der Anspruch einer Gesellschaftstransformation und die Realität der gewerkschaftlichen Praxis - 3.1. Die Rekonstituierung der 'Freien Vereinigung' - 3.2. Das anarchosyndikalistische Gewerkschaftsverständnis - 3.3. Die rheinisch-westfälische FAU - 3.4. Die FAUD und die Rätebewegung - 3.5. Zur Bedeutung anarchistischer Einflüsse // 4. Der organisatorische Aufbau der FAUD // 5. Die Sozialstruktur der FAUD: 5.1. Die Bedeutung der handwerklichen Traditionen in der Endphase der Industrialisierung - 5.2. Der Anarchosyndikalismus als eine Organisation der Industriearbeiterschaft // 6. Die oppositionellen Strömungen und das Verhältnis zum organisierten »Linkskommunismus // 7. Der anarchosyndikalistische Einfluß in der Seeleute- und Schifferbewegung: 7.1. Die Richtungsdifferenzen in der radikalgewerkschaftlichen Seeleutebewegung - 7.1.1. Der 'Seemannsbund' - 7.1.2. Der 'Schiffahrtsbund' - 7.2. Anarchosyndikalismus und Unionismus in internationalen Zusammenhängen: Die 'Industrial Workers of the World (IWW)' in Deutschland - 7.3. Die anarchosyndikalistische Binnenschifferorganisation // 8. Die »direkte Aktion Revolution oder Tarifvertrag // 9. Die ideologischen Grundlagen und die ideengeschichtliche Entwicklung des Anarchosyndikalismus in Deutschland // 10. Die FAUD zwischen Kulturbewegung und Gewerkschaftsorganisation // 11. Der Anarchosyndikalismus als eine soziokulturelle Bewegung abseits gewerkschaftlicher Zusammenhänge: 11.1.1. Die Siedlungsexperimente im Umfeld der FAUD - 11.1.2. Die Genossenschaftsprojekte im Rahmen der FAUD - 11.1.3. Die anarchosyndikalistischen Frauenbünde - 11.1.4. Die »freien Kindergruppenfreien Schulen - 11.1.5. Die anarchistisch-syndikalistische Jugendbewegung - 11.1.6. Die 'Schwarzen Scharen': Eine »paramilitärische Reaktion auf den entstehenden Nationalsozialismus - 11.2. Die Beteiligung an außer- und nebenorganisatorischen Kulturinitiativen - 11.2.1. Die 'Gilde freiheitlicher Bücherfreunde' - 11.2.2. Medizinische Wissenschaft in einer sozialpolitischen Bewegung: Der 'Reichsverband für Geburtenregelung und Sexualhygiene' - 11.2.3. Organisierter Antiklerikalismus und Atheismus: Die anarchosyndikalistische Fraktion in der Freidenkerbewegung // 12. Die Entstehungsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten anarchosyndikalistischer Bewegungen in der vergleichenden Perspektive. // Quellen- und Literaturverzeichnis // ANHANG: I. Bibliographie: / Die Presse des deutschen Anarchosyndikalismus (1914-1939) / II. Bilddokumentation / III. Register der Personen, Organisationen, Periodika und / geographischen Namen.
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