Lauter böhmische Dörfer. Wie die Wörter zu ihrer Bedeutung kamen

by Christoph Gutknecht

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Ein Buch, das Informationen liefert, unterhaltsam und anders als trockene wissenschaftliche Berichterstattung. Hieb- und stichfest ist dem Kriegsvokabular entlehnt und drückt die kompromißlose Härte in Wortduellen aus. So sang Dahlia Lavi: "Worte wie Pfeile, die wir gesagt, die in wir in Eile zu sagen gewagt, Worte im Ärger, Worte im Zorn..." Rededuelle werden immer noch als Kriege erlebt und alle fahren - auch im Netz - allzustarke Geschütze auf, wenn es darum geht, recht zu haben.

Konkurrenten werden mit Fragen bombardiert und die Argumente der Gegner masakriert. Im persischen heißt übrigens "Ich sprach" sinngemäß "Ich schlug Buchstaben". Der Romanist Victor Klemperer schrieb in seinem Buch über die Sprache des Dritten show more Reiches sogar: "Worte können wie winzige Arsendosen sein; sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung da." Der Autor liefert einen Parforceritt (dieses Wort fehlt allerdings) durch die deutsche Sprache, erklärt Inhalt und Herkunft von Worten, und er schließt mit einem Happy End von Tucholsky, der sich in seinem Gedicht "Danach" mit der Zeit hinter dem glücklichen Schluss auseinandersetzt. Allein dies ist lesenswert - wie das gesamte Buch inkl. umfangreichem Anhang (Literaturverzeichnis, Namen, Wörter)

Wer weiß, woher das Wort "lumbecken" kommt? Es ist der Vorgang, Bücher mit einer Kunstharzemulsion fadenlos zu binden, also zu kleben" (hält leider nicht immer, weil es unterschiedlich teure und billige Versionen gibt, auch Kaltklebebindung genannt). Dieses Verfahren wurde von Emil Lumbeck (1886-1979) erfunden. Begriffe, die von Personen abgleitet sind, nennt man E p o n y m e. Kennen Sie jene Urheber, die ihre Namen Maßeinheiten unsterblich verliehen: "André Marie Ampère, Antoine Henri Becquerel, Michael Faraday, Heinrich Hertz, James Prescott Joule, Isaac Newton, Georg Simon Ohm, Blaise Pascal, Allessandro Volta und James Watt.

Wie heißt übrigens die Übersetzung "Das sind für mich böhmische Dörfer" im Englischen? It was greek to me! Es stammt aus der Shakespeare Tragödie "Julius Cäscar", erstmals gespielt am Südufer der Themse im runden Globe Theater 1599 (eine Nachbildung ist heute in Schwäbisch Hall zu bewundern). Witzig, dass ausgerechnet der Titel (böhmische Dörfer) nicht erklärt wird, es scheint wohl Allgemeingut zu sein, dass dies bekannt ist: für einen Deutschreisenden nach Böhmen zur Zeit der Donaumonarchie waren viele Ortsnamen nicht-deutsch (tschechisch), also unbekannt. In Böhmen sprechen übrigens die Tschechen von spanischen Dörfern. (siehe Wikipedia).

Shanghaien bedeutet, einen Matrosen gewaltsam zu heuern. Dies kannte ich ebensowenig wie Spinatkrampf und Bürstenwürste. Sie stammen aus Michael Endes "Unendlicher Geschichte" und sind Zufallsworte des Äffchen Argax beim Beliebigkeitsspiel, das endlos weiter gespielt sogar in der Lage wäre, Gedichte zu erfinden.

2011
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