
Eberhard Rathgeb
Author of Kein Paar wie wir: Roman
Works by Eberhard Rathgeb
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Common Knowledge
- Canonical name
- Rathgeb, Eberhard
- Birthdate
- 1959
- Gender
- male
- Relationships
- Radisch, Iris (Ehefrau)
- Nationality
- Germany
- Birthplace
- Buenos Aires, Argentina
- Associated Place (for map)
- Buenos Aires, Argentina
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Wir leben in einer Zeit und einem Land, wo es fast schon selbstverständlich zu sein scheint, dass die Menschen ein zufriedenes und teilweise sogar glückliches Leben führen. Wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, wie man am nächsten Tag sich und die Familie mit Essen und Trinken versorgt; wo wir Brennmaterial für die nächste Kälteperiode bekommen; wer einem Stoffe oder sogar Kleidungsstücke besorgen kann. Die wichtigsten Bedürfnisse sind in unserer Gesellschaft (und vielen show more anderen) einfach zu stillen, sodass es nur noch selten zu solchen fast schon existentiellen Situationen für Manche kommt. So verbringen wir Tag für Tag mit der Selbstverständlichkeit und scheinbaren Sicherheit, dass es schon immer so war und immer so sein wird: Dieses Leben in Ruhe und Frieden ohne die ganz großen Ängste und Sorgen. Dass dies überhaupt nicht selbstverständlich und sicher ist, ist Vielen von uns vielleicht gerade in letzter Zeit deutlich geworden. Doch immer noch scheinen diese plötzlich auftretenden Einbrüche im Leben vor allem Andere zu betreffen und von uns glücklicherweise noch weit entfernt zu sein - auch wenn sie näher rücken.
In dem schmalen Roman 'Cooper' (gerade einmal 124 Seiten) erzählt Eberhard Rathgeb von einer Familie, die ein solch zufriedenes, wenn nicht sogar glückliches Leben lebt. Doch das Unheil steht bereits in Lauerstellung, auch wenn Vater, Mutter und zwei Töchter nichts davon ahnen. Bei strahlendem Sonnenschein fahren sie gemeinsam ins Wochenende und nichts deutet auch nur im Geringsten darauf hin, dass ihnen ein Schicksalsschlag unmittelbar bevorsteht.
Es ist bewundernswert, wie es dem Autor gelingt, die Lesenden so in die Geschichte hineinzuziehen, dass man bei jedem noch so schlichten Ereignis mit angehaltenem Atem darauf wartet, dass es jetzt, genau jetzt passiert. Und auch wenn sich nichts ereignet und der Besuch einer Tankstelle sich wirklich nur als der Besuch einer Tankstelle herausstellt, wartet man voller Spannung und auch Furcht auf das Unglück, das da kommen wird. Rathgeb erreicht dies, indem er zwischen die eigentliche Geschichte immer wieder kurze Absätze setzt, die deutlich machen, wie wenig es braucht, um aus dem normalen Leben ins völlige Chaos zu stürzen. Und dass der pure Wille allein nicht immer ausreicht, sein Leben so zu leben wie man es möchte.
Der titelgebende Cooper ist ein späterer Nachbar von Lisa, der Ehefrau und Mutter, der ihr nahebringt, das Leben so zu nehmen wie es kommt. Es scheinen schlichte Wahrheiten zu sein, doch mit ihnen lässt es sich überleben.
Ein kleiner Roman, der es in sich hat, auch wenn die Sprache auf den ersten Blick etwas sperrig zu sein scheint. Nicht abschrecken lassen, es lohnt sich!!! show less
In dem schmalen Roman 'Cooper' (gerade einmal 124 Seiten) erzählt Eberhard Rathgeb von einer Familie, die ein solch zufriedenes, wenn nicht sogar glückliches Leben lebt. Doch das Unheil steht bereits in Lauerstellung, auch wenn Vater, Mutter und zwei Töchter nichts davon ahnen. Bei strahlendem Sonnenschein fahren sie gemeinsam ins Wochenende und nichts deutet auch nur im Geringsten darauf hin, dass ihnen ein Schicksalsschlag unmittelbar bevorsteht.
Es ist bewundernswert, wie es dem Autor gelingt, die Lesenden so in die Geschichte hineinzuziehen, dass man bei jedem noch so schlichten Ereignis mit angehaltenem Atem darauf wartet, dass es jetzt, genau jetzt passiert. Und auch wenn sich nichts ereignet und der Besuch einer Tankstelle sich wirklich nur als der Besuch einer Tankstelle herausstellt, wartet man voller Spannung und auch Furcht auf das Unglück, das da kommen wird. Rathgeb erreicht dies, indem er zwischen die eigentliche Geschichte immer wieder kurze Absätze setzt, die deutlich machen, wie wenig es braucht, um aus dem normalen Leben ins völlige Chaos zu stürzen. Und dass der pure Wille allein nicht immer ausreicht, sein Leben so zu leben wie man es möchte.
Der titelgebende Cooper ist ein späterer Nachbar von Lisa, der Ehefrau und Mutter, der ihr nahebringt, das Leben so zu nehmen wie es kommt. Es scheinen schlichte Wahrheiten zu sein, doch mit ihnen lässt es sich überleben.
Ein kleiner Roman, der es in sich hat, auch wenn die Sprache auf den ersten Blick etwas sperrig zu sein scheint. Nicht abschrecken lassen, es lohnt sich!!! show less
Ein Ort des Vertrauens und ein Ort des Vertrautseins: den Begriff Heimat zu umkreisen wie es Eberhard Rathgeb (ER) unternimmt, ist ein Genuss. Tief schürfend, liebevoll und hoch fliegend zu philosophischen Ideen verquickt er wunderschön Privates mit jenen größeren Bezugsräumen, die seinem Vater bzw. seinen Eltern und ihm Halt gaben in ihrer Reise aus der Heimat in die Welt und wieder zurück. Sein Vater spürte mehr und fotografierte als theoretische Sichtweisen zu artikulieren.
'Heimat show more ist ein Schutzraum oder sollte einer sein. Der tiefe Grund des Heimatgefühls ist die Angst, in einer unheimlichen Welt verlorenzugehen, in der keiner, der allein ist, überleben kann.' (S. 46)
Alle Heimatlosen wissen, wie gut es ist, eine Heimat zu haben. Dabei spielen Werte und Sprache, Landschaft und Philosophie, Kunst und Verantwortung eine zentrale Rolle. Das Mixen dieser Aspekte in Realitäten vor Ort, Stimmungen einerseits, die sich kunstvollen Theorien annähern ' alleine der Abschnitt über Adorno bringt zentrale Facetten deutscher Geistesgeschichte auf den Punkt:
Adorno hat, wie Martin Heidegger und Rudolf Borchardt, einen eigenwilligen, auffallenden Sprachstil entwickelt, als hätten die drei nicht mit einfachen Worten sagen können, um was es ihnen ging.' (S. 198)
Kierkegaard und Wittengestein waren dazu in der Lage, ebenso Karl Popper. Adorno ist ebenso wie Marx immer in der Theorie verblieben, sein Buch über Kierkegaard enthielt im Kern seine ganze spätere Philosophie. Aus der konkreten Geschichte enthob er sich mit seiner ästhetischen Theorie. Seine Art zu philosophieren widerstand der Realität, sie entfloh ins Ästhetische, in die Kunst. Heidegger bezeichnete er nach dem Krieg als jemand, der ein Jargon der Eigentlichkeit sprach, ein vernichtendes Urteil hinabweisend zur Daseinsfolklore und Heimatkunde.
Dabei hatte Adorno in seiner negativen Dialektik eingeräumt, dass es ein Metaphysik der Herkunftsgegend gäbe, eine durch Klänge, Bilder und Erlebnisse sich herstellende Verbundenheit mit dem Fleckchen Erde, auf dem ein Mensch geboren wurde. Einfach schön, wie der Autor die heimelige Fahrt von Adorno nach Amorbach im Odenwald, sein Meßkirch, beschreibt, um danach den Freund eines Vaters, dessen Hoffnungen und Wünsche auszubreiten.
Die in der Kindheit entwickelten Urbilder kann niemand ersetzen, keine andere Heimat, kein anderer Kulturkreis, sie sind an Philosophie und Umgebung, an vertraute Geräusche, Glockenklang und Waldrauschen gebunden, oder freien Himmel, den Blick aufs Meer, das Hiddensee von Gerhart Hauptmann.
Wir erleben eine starke Renaissance der Heimat und fühlen, dass diese nicht beliebig hin- und her verschiffbar ist, sie ist das, was bleibt, aus Gedanken, aus Sprache, Landschaften und Kultur. Es ist kein deutsches Gefühl, es ist universell und unhintergehbar.
Ein Weitergereister formulierte: 'Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache. Sie bestimmt die Sehnsucht danach, und die Entfernung vom Heimischen geht immer durch die Sprache am schnellsten.' Wilhelm von Humboldt dachte so und auch Marcel Reich-Ranicki war trotz Nazi-Diktatur und erlittenem Leid der deutschen Sprache, dem deutschen Geist verwoben.
Ein ganz hervorragendes Buch, das mich animiert hat, Schillers Wallenstein wieder zu lesen. (2016) show less
'Heimat show more ist ein Schutzraum oder sollte einer sein. Der tiefe Grund des Heimatgefühls ist die Angst, in einer unheimlichen Welt verlorenzugehen, in der keiner, der allein ist, überleben kann.' (S. 46)
Alle Heimatlosen wissen, wie gut es ist, eine Heimat zu haben. Dabei spielen Werte und Sprache, Landschaft und Philosophie, Kunst und Verantwortung eine zentrale Rolle. Das Mixen dieser Aspekte in Realitäten vor Ort, Stimmungen einerseits, die sich kunstvollen Theorien annähern ' alleine der Abschnitt über Adorno bringt zentrale Facetten deutscher Geistesgeschichte auf den Punkt:
Adorno hat, wie Martin Heidegger und Rudolf Borchardt, einen eigenwilligen, auffallenden Sprachstil entwickelt, als hätten die drei nicht mit einfachen Worten sagen können, um was es ihnen ging.' (S. 198)
Kierkegaard und Wittengestein waren dazu in der Lage, ebenso Karl Popper. Adorno ist ebenso wie Marx immer in der Theorie verblieben, sein Buch über Kierkegaard enthielt im Kern seine ganze spätere Philosophie. Aus der konkreten Geschichte enthob er sich mit seiner ästhetischen Theorie. Seine Art zu philosophieren widerstand der Realität, sie entfloh ins Ästhetische, in die Kunst. Heidegger bezeichnete er nach dem Krieg als jemand, der ein Jargon der Eigentlichkeit sprach, ein vernichtendes Urteil hinabweisend zur Daseinsfolklore und Heimatkunde.
Dabei hatte Adorno in seiner negativen Dialektik eingeräumt, dass es ein Metaphysik der Herkunftsgegend gäbe, eine durch Klänge, Bilder und Erlebnisse sich herstellende Verbundenheit mit dem Fleckchen Erde, auf dem ein Mensch geboren wurde. Einfach schön, wie der Autor die heimelige Fahrt von Adorno nach Amorbach im Odenwald, sein Meßkirch, beschreibt, um danach den Freund eines Vaters, dessen Hoffnungen und Wünsche auszubreiten.
Die in der Kindheit entwickelten Urbilder kann niemand ersetzen, keine andere Heimat, kein anderer Kulturkreis, sie sind an Philosophie und Umgebung, an vertraute Geräusche, Glockenklang und Waldrauschen gebunden, oder freien Himmel, den Blick aufs Meer, das Hiddensee von Gerhart Hauptmann.
Wir erleben eine starke Renaissance der Heimat und fühlen, dass diese nicht beliebig hin- und her verschiffbar ist, sie ist das, was bleibt, aus Gedanken, aus Sprache, Landschaften und Kultur. Es ist kein deutsches Gefühl, es ist universell und unhintergehbar.
Ein Weitergereister formulierte: 'Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache. Sie bestimmt die Sehnsucht danach, und die Entfernung vom Heimischen geht immer durch die Sprache am schnellsten.' Wilhelm von Humboldt dachte so und auch Marcel Reich-Ranicki war trotz Nazi-Diktatur und erlittenem Leid der deutschen Sprache, dem deutschen Geist verwoben.
Ein ganz hervorragendes Buch, das mich animiert hat, Schillers Wallenstein wieder zu lesen. (2016) show less
Mar 1, 2023German
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