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Simone Lappert

Author of Der Sprung

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Eine kleine namenlose Stadt, in der man sich kennt, wenn auch manchmal nur vom Sehen. Als eines Tages eine junge Frau auf einem hohen Haus steht, scheinbar mit der Absicht zu springen, löst dies nicht nur einen mittleren Massenauflauf vor dem Haus aus, sondern verändert auch das Leben einiger Menschen, sowohl zum Guten wie zum Schlechten.
Davon erzählt Simone Lappert in "Der Sprung", in dem jedes Kapitel einer solchen Person gewidmet ist, insgesamt sind es zehn. In nur zwei Tagen, in denen show more sich diese Geschichte ereignet, geschieht derart viel, dass sich am Ende bei den Betroffenen Vieles verändert hat. Ganz langsam nähert man sich als Lesende diesen Menschen und erfährt von ihren Gedanken, Wünschen und Ängsten, die wenig bis gar nichts mit ihrem Bild nach außen zu tun haben. Das ist derart überzeugend, dass ich (als Nachwirkung dieser Lektüre), wenn ich unterwegs bin und Unbekannten begegne, ihnen ins Gesicht schaue und mich frage, welche Geschichte wohl dahinter steht. Auf den ersten Blick scheint Alles so klar, aber wenn man etwas näher hinschaut ...
Die Autorin hat zudem eine wunderbare Sprache, mit der sie ihre Figuren verkörpert und schafft Sätze, die man am liebsten auswendig lernen möchte: "Aber Biographien sind doch so was wie Dachböden. ... , auf dem herumwühlen und interessante Sachen finden kann." oder "Die Zeiten haben sich geändert. ... Die Leute wollen lieber Sachen kaufen, die sie nicht brauchen."
Was mich jedoch am Meisten faszinierte, ist ihre Fähigkeit, die Verbindungen zwischen all diesen Menschen ganz beiläufig darzustellen; nichts davon wirkte konstruiert oder aufgesetzt. Je mehr man von den Einzelnen erfährt, umso deutlicher scheinen die Verknüpfungen zu Anderen auf, auch wenn diese nur oberflächlich sind. Und mit zunehmender Lesedauer wurde ich immer aufmerksamer, um ja nur keine Andeutung zu verpassen. Einfach toll gemacht!
Für mich eines der besten Bücher in diesem Jahr!
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Thalbach, ein beschauliches Örtchen bei Freiburg. Alles geht seinen Gang wie immer, die Obdachlosen verbringen den Tag im Park, Theres und Werner sehnen sich nach den guten Zeiten in ihrem Lädchen zurück, Roswitha bedient mehr oder weniger übellaunig die Gäste in ihrem Café, Maren überlegt wieder einmal, wie lange sie es noch in der kaputten Beziehung mit Hannes aushalten will, Winnie muss ihrer Freundin Cosima einmal mehr aus der Patsche helfen. Doch dann unterbricht ein Ereignis das show more übliche Treiben: auf dem Dach eines Wohnhauses steht eine junge Frau und droht herunterzuspringen. Man kennt sie, es ist Manu, die Gärtnerin, die mit ihren Guerillamethoden den Pflanzen Raum zum Leben gibt und die Stadt erblühen lässt. Der Ort hält den Atem an und zusammen mit Rettungskräften, Polizei und sensationslüsterner Presse blickt man nach oben, voller banger Erwartung dessen, was passieren wird.

Simone Lapperts Roman ist eine Momentaufnahme mitten aus dem Leben. Sie beschränkt ihre Handlung auf einen winzigen Augenblick im Dasein ihrer Figuren, nur einen Wimpernschlag lang lässt sie uns teilhaben, aber es tritt genau jener Schmetterlingseffekt ein, der nicht vorhersehbar war und das sorgsam austarierte Gleichgewicht des Systems zum Zusammenbrechen bringt. Nur ein einziger Tag, ein singuläres Ereignis, das nicht einmal unmittelbar mit den meisten Figuren in Verbindung steht, ist jedoch so gewaltig, dass hinterher kaum mehr etwas so ist, wie zuvor.

Vieles an der Erzählung hat mich schlichtweg begeistert. Was zunächst als lose Abfolge von Einzelgeschichten erscheint, stellt sich im Laufe der Handlung als clever durchdachtes Geflecht heraus, das alle Figuren in Verbindung zueinander setzt und so unterstreicht, dass es ein individuelles unabhängiges Leben nicht gibt. Dreht nur einer an einem Schräubchen, wirkt sich dieses auf alle zwangsläufig aus. Daneben sind alle Figuren liebevoll gezeichnet: Wir haben keine Superhelden, keine Weltverbesserer, genauso wenig die drastischen Verlierer, sondern ein Sammelsurium von durchschnittlichen Existenzen, die mehr oder minder zufrieden ihr Leben meistern. Sie haben sich mit den Gegebenheiten arrangiert und glauben nicht mehr an das ganz große Glück. Sie wirken authentisch und in ihrer Natürlichkeit liebenswert.

Manu, die Frau auf dem Dach, die zum Sprung ansetzt, sollte eigentlich im Zentrum stehen, bildet aber viel mehr den Rahmen der Handlung und wird unbeabsichtigt zum dramatischen und entscheidenden Moment in zahlreichen Leben. Man lernt sie zu Beginn der Geschichte kennen, doch die Figur, die liebevoll mit den Pflanzen hantiert, will nicht zu der Person auf dem Dach passen. Ebenso wie der Leser kann sie ihr Freund Finn keinen Reim auf das Verhalten machen. In gewisser Weise ist sie eine tragische Heldin – mehr zu sagen würde das überraschende Ende vorwegnehmen.

Der kleinbürgerliche Mikrokosmus wird von Lappert überzeugend eingefangen. Eine routinierte, mühelose Erzählung, die einem in die kleine Welt eintauchen und teilhaben lässt. Für mich ist es gerade das Unaufgeregte, Unspektakuläre, das hier geschildert wird und begeistert.
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