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Sybil Volks

Author of Torstraße 1: Roman

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Gerade mal viereinhalb Tage umfasst dieses Buch, doch in dieser kurzen Zeit lernt man die Mitglieder der Familie Boysen recht genau kennen. Und erfährt vielleicht mehr über sie, als sie selbst voneinander wissen.
Der Anlass für ihr Zusammentreffen im Haus Tide ist eigentlich ein trauriger, der sich letztenendes aber als amüsant herausstellt. Mutter Inge wird von ihrer Schwiegertochter Kerrin für tot gehalten und so informiert sie umgehend die drei Geschwister ihres Mannes Enno, die bis show more auf Sohn Boy sofort anreisen. Selbst Kerrins und Ennos Adoptivtochter Inka fliegt aus ihrem Auslandsaufenthalt in St. Petersburg zurück, wenn auch widerwillig (glücklicherweise passt der Anlass zu ihrer neu entdeckten Liebe zum Gothic Style ;-)). Doch es ist ein Fehlalarm - glücklicherweise. Mutter Inge schlägt wieder die Augen auf und freut sich, als sie fast all ihre Lieben, wenn auch verspätet, doch noch zu Weihnachten um sich hat. Doch die Freude währt nicht allzu lange. So gut wie alle tragen ihr mehr oder weniger großes Problempäckchen mit sich, die durch den durch einen Schneesturm zwangsweise verlängerten Aufenthalt nach und nach 'ausgepackt' werden.
Grundtenor des Buches scheint das nicht gelebte Leben zu sein; Wünsche und Träume, die zugunsten Anderer zurückgestellt oder schlicht als nicht realisierbar abgehakt wurden. Doch irgendwann holen sie einen ein und nun ist es wohl so weit. Allzu viel Handlung sollte man nicht erwarten, der Großteil der Geschichte spielt sich entweder in inneren Selbstgesprächen oder Dialogen ab, ausser der Zeit treibt nichts die Handlung voran. Ich empfand dies nicht als Nachteil, da zumindest zu Beginn vieles sehr humorvoll geschildert wurde und die Familienmitglieder mit liebenswerten Schrulligkeiten aufwarten. Doch der Humor lässt leiderleider nach und die Probleme der einzelnen Personen nehmen überhand, sodass für mein Empfinden zunehmend die Glaubwürdigkeit der Handelnden darunter zu leiden begann. Zwar versöhnte mich der Schluss (der nur vorübergehend sein soll ;-)) des Ganzen, doch so richtig begeistern konnte mich die Familie nicht mehr.
Alles in allem eine durchwachsene Lektüre mit durchaus schönen Momenten, die hoffen lassen, dass der zweite Teil sich in manchen Dingen etwas zurücknimmt - manchmal ist weniger mehr ;-)
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”Wintergäste” hat eine faszinierende Prämisse: Inge Boysen, die Matriarchin der Familie und Besitzerin des Hauses gleich hinterm Deich, ist verstorben. Ganz friedlich im Bett, ein angefangenes Buch auf dem Nachttisch, die Lieblingsnascherei in der Schublade. Ihre Schwiegertochter Kerrin verständigt die Familie, doch als sie noch einmal nach der Toten sieht, hat diese sich entschieden, dass das Totsein doch noch nichts für sie ist. Kerrin fällt erst einmal in Ohnmacht, und als sie show more schlieβlich in der Lage ist, der Familie Entwarnung zu geben, ist es bereits zu spät: Kinder und Noch-Schwiegerkinder und Enkel haben sich bereits auf den Weg ans vermeintliche Totenbett gemacht. Das Wetter tut das Seinige, und so ist man schlieβlich gemeinsam auf der Insel gefangen – in jenem Haus, das so viele Erinnerungen hält, dessen Verbleib nach einem Tod der Mutter jedoch ungeklärt ist und reichlich Konfliktpotential birgt, was auch die spätere Erblasserin umtreibt. Keines der Kinder hat die Mittel, die anderen auszuzahlen – ein gemeinsames Erbe würde also vermutlich den Verkauf des Hauses bedeuten, doch wäre es fair, eines der Kinder zu bevorzugen?

Dieser Aspekt der Geschichte hat mir sehr gut gefallen – vielleicht auch, weil ich selbst in einem Haus lebe, das mein Urgroβvater eigenhändig erbaut und das alle Generationen seither mit Zähnen und Klauen gegen die Wirren des zwanzigsten Jahrhunderts in Berlin verteidigt haben. Womit ich mich im weiteren Verlauf des Buches ein wenig schwer getan habe, war die Familie Boysen selbst. Ich verstehe ja, dass so ein Roman etwas Drama braucht, aber hier war es dann doch ein wenig viel des Guten. Sämtliche Familienmitglieder haben diverse Probleme und/oder schwerwiegende Geheimnisse voreinander (möglichst vor dem eigenen Ehepartner oder dem eigenen Kind). Keiner der Erwachsenen hat eine funktionierende Beziehung vorzuweisen, niemand scheint in der Lage, vernünftig mit den anderen zu kommunizieren, und im Zweifelsfall gönnt man sich die Wurst auf der Stulle nicht.

Die etwas fantastischen Elemente der möglichen Rettung von Haus Tide (ein unermesslich reicher Mann und eine märchenhaft anmutende Wette auf Leben und Tod kommen ins Spiel) und das statistisch etwas unwahrscheinlich hohe Vorkommen lesbischer Frauen (ich bin nicht sicher, ob die Autorin da an Vererbung glaubt oder den in der Literatur allgemein zu geringen Anteil etwas korrigieren wollte) sehe ich dem Buch allerdings gern nach, und die positiven Elemente haben mich auch dazu bewogen, mir den Erstling „Torstraβe 1“ der Autorin zu besorgen. An „Wintergäste“ gefällt mir allerdings leider die Idee wesentlich besser als die Umsetzung.
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