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Works by Rainer Erlinger

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1965

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Ich wundere mich über Probleme, die andere Menschen haben können, über Skurriles, das mir bislang erspart blieb. Dieses (geschenkte) Buch wirkt auf mich wie eine Noch-Nie-Gehabt-Liste meiner Probleme. Es bewegt sich auf leicht gehobenem, bürgerlichen Niveau der TV-Nachmittags-Talk-Show-Unterhaltung.

Trotzdem ist es meist spaßig zu lesen, wie sich der Autor aus den ungewöhnlichen Problemstellungen herauswindet ("Soll ich nach dem Urlaub in der Türkei aus dem vhs-Türkisch-Kurs show more austreten, wenn dann die anderen mehr zahlen müssen?") und Erklärungen parat hat, die mindestens so überraschend sind wie die Probleme. Meist sind sie aber auch mit dem gesunden Menschenverstand beantwortbar.

Es entspinnen sich indes feinste philosophische Dialoge um Wahrheit, Lügen, Geld und Liebe. Soll man bei der Alltagsfrage "Wie geht's?" immer mit "Danke, gut" antworten? Nach Umwegen über Notlügen (Schopenhauer) kommt er am Ende doch zu der klugen Einsicht, dass diese Frage meist nichts anderes ist als ein anderes Grußwort für "Guten Tag". Und am Ende jedes guten Rundumratschlages stehen zwei Literaturempfehlungen zur Frage. In dem "Wie geht's-Gruß" werden empfohlen: Schopenhauer: "Preisschrift über die Grundlage der Moral" und Simone Dietz: "Die Kunst des Lügens".

Wenn es Ihnen mal wieder zu gut gehen sollte: hier kann jeder in den Pool alltäglicher Probleme eintauchen, die niemand braucht.
Kommentar
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Das ist ein wirklich interessantes Buch, das für viel Gesprächsstoff sorgt. Nicht alle Antworten würde ich genau so geben, aber durchwegs finde ich die Argumentation sehr gut.
Interessant ist natürlich die Frage, ob man ausweichen muss, wenn man mit Kinderwagen auf dem Bürgersteig schiebt und ein Radfahrer, der dort nicht hingehört, kommt einem entgegen. Ich halte es mit Herrn Erlinger, der fürs Ausweichen plädiert, und schiebe noch als Denkanstoß nach: Wenn man an typische Vorbilder show more in Sachen Ethik denkt (Jesus, Gandhi), was hätten sie gemacht?
Sehr gut fand ich folgende Antwort auf die Frage, was man machen soll, wenn man von der Krankenkasse nach einem Unfall das Geld für eine Haushaltshilfe bekämne, diese aber eigentlich nicht braucht: "Natürlich kann man vertreten, es sei legitim, sich all das zu nehmen, worauf man einen Rechtsanspruch hat. Doch erwachsen meines Erachtens viele Probleme, an denen unsere Gesellschaft krankt, aus eben dieser Haltung."
Ich hatte auch einmal eine Gewissensfrage hingeschickt, die in meinem Umfeld überraschend kontrovers diskutiert wird:
"Sehr geehrter Herr Erlinger,
schon seit Jahren spiele ich Schafkopf in einer kleinen Runde ehemaliger Kolleginnen und Kollegen. Ich selbst bin Professorin, verdiene also gut, meine Mitspielerin, um die es geht, ist im Angestelltenverhältnis deutlich schlechter gestellt. Wir spielen um Geld, aber um einen relativ kleinen Betrag (5 Cent - 10 Cent, also "Fünf-Zehn"). Es ist
nun schon mehrfach vorgekommen, dass meine Mitspielerin einen Solo, Wenz oder eine Dame angesagt hat, die ich ihr dann "zusammengehauen"habe, was mitunter durchaus zu Spannungen führt.
Im Fall, zu dem ich meine Frage habe, war es dann so, dass meine ehemalige Kollegin einen scheinbar eher unsicheren Wenz ansagte (also ein Spiel in dem nur die Unter Trumpf sind und das für sie einen Solo gegen die drei anderen Spieler bedeutete) und mir sofort klar war, dass ich selbst einen sehr guten Wenz auf der Hand habe und totsicher gewinnen würde. Also gab ich Kontra.
Dadurch, dass ich "Laufende" hatte und sie Schneider Schwarz werden würde (Umstände, die das Spiel verteuern), wurde das Spiel verhältnismäßig teuer. Auch war noch ein relativ hoher Stock aufzudoppeln, der zusätzlich zu einer Verteuerung des Spiels führte.
Und mein Kontra verdoppelte das Spiel dann noch zusätzlich.
Das kreidete sie mir an: Denn dass wir gewinnen würden, war auch ohne Kontra klar und durch das Kontra wurde das Spiel für sie sehr teuer.
Das ist nun meine Frage: Auf den Geldgewinn von wenigen Euro kann ich verzichten, ihr hingehen tut es weh. Das Kontra hätte ich nicht aussprechen müssen, das ist in so einem Spiel ja auch eine gewisse Machtgeste, auf die ich verzichten hätte können.
Andererseits, und das ist nun meine Verteidigung, es ist ja ein Spiel auf das sich jeder einlässt mit allen Konsequenzen. Kontra ist ein normaler Bestandteil des Spiels, mir ging es in dem Moment selber nicht ums Geld, sondern durchaus darum, einfach Kontra zu geben (im Subtext hat das natürlich etwas mit Dominanz und Machtanspruch zu tun, denn durch das Kontra übernimmt man faktisch das Spiel und wird vom Nichtspieler zum Spieler).
Also, meine Gewissensfrage:
Ist es verwerflich in einem Kartenspiel Kontra zu geben, wenn man weiß, dass der Gegner, der sowieso schon viel verloren und wenig Geld hat, definitiv verlieren wird und durch das Kontra relativ viel Geld abgeben muss?
Auf Ihre Antwort bin ich gespannt!"
Ich habe keine Antwort bekommen, die Frage ist wahrscheinlich zu bayerisch. Meine Kollegin selber ist übrigens der Meinung, das Kontra sei völlig ok gewesen. Aber ich habe auch schon andere ethisch begründete Meinungen dazu gehört.
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