Leif Randt
Author of Allegro Pastell
Works by Leif Randt
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Common Knowledge
- Canonical name
- Randt, Leif
- Birthdate
- 1983
- Gender
- male
- Occupations
- Autor
- Awards and honors
- Erich-Fried-Preis (2016)
Düsseldorfer Literaturpreis (2012)
Ingeborg-Bachmann-Preis (2011) - Nationality
- Germany
- Birthplace
- Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
- Places of residence
- Maintal, Hessen, Deutschland
Berlin, Deutschland - Associated Place (for map)
- Germany
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Reviews
Ich glaube, ich habe noch nie ein Buch gelesen, bei dem ich so unentschieden war, ob es mir nun gefallen hat oder nicht. So etwas geht doch überhaupt nicht? Oh doch, bei diesem Buch sehr wohl.
Die Geschichte ist ziemlich belanglos: Ein kurzer Ausschnitt aus dem Leben eines fast 27jährigen Literaturagenten, der sich an diverse vergangene Episoden seines Lebens erinnert, alles ohne allzu große Aufregungen oder Spannung. Auch die erscheinenden Personen incl. des Protagonisten sind, nun ja, show more recht nichtssagend. Selten waren mir die Figuren eines Romanes so gleichgültig wie hier, selbst die für mich eher unsympathische Hauptfigur war nicht so richtig unsympathisch - sie war mir einfach egal. Kaum eine Spur von Empathie, Zu- oder Abneigung, ganz zu schweigen von stärkeren Emotionen meiner Seite ;-) Was mich dennoch bis zum Ende ohne Mühe weiterlesen ließ, war das ständige Gefühl, dass mir die Gesellschaft, in der sich das Beschriebene ereignete, ziemlich bekannt vorkam. Dieses CobyCounty, hat das nicht große Ähnlichkeit mit uns?
Eigentlich ist es fast schon eine Utopie, diese fiktive Gesellschaft. Die Menschen dort scheinen durchweg erfolgreich zu sein, und zwar nicht im Schweiße ihres Angesichts, sondern meist durch die Nutzung ihrer kreativen Fähigkeiten. FilmemacherInnen, AutorInnen, ArchitektInnen undundund. Die Ergebnisse der Arbeiten dieser KünstlerInnen werden begeistert von der Außenwelt aufgenommen, die sich auch nur eines wünscht: Leben wie in CobyCounty. Alt und Jung ist kein Gegensatz mehr, sondern eine Ergänzung. Geschlechtergrenzen sind fließend, Partnerschaften sind mit jedem Geschlecht möglich. Alles ist gut - nein, besser! Und trotzdem überkam mich beim Lesen nicht ein einziges Mal das Gefühl, dass es dort tatsächlich besser ist. Denn dieses ganze Leben ist nur auf Eines ausgerichtet: Wie lebe ICH ein perfektes Leben? Alles was getan wird, geschieht nur im Hinblick auf dieses Ziel, nichts wird um des Tuns willen getan. Anschließend sonnt man sich im Bewusstsein ein guter Mensch zu sein, da man ja die richtigen Dinge getan hat. Doch das wird so beiläufig dargestellt, dass man es während des Lesens nicht richtig zu fassen bekommt. Unterschwellig wurde mein ablehndendes Gefühl immer stärker, zumindest manchmal deutlicher begründet durch einen Satz wie '...ich hatte von ihr (seiner Mutter) erfahren wollen, ob meine Geburt ihr Leben und das Leben meines Dads eigentlich sehr zum Negativen beeinflusst hat...'. Als ob das Negative eine Selbstverständlichkeit wäre bei der Geburt eines Kindes.
Kommt einem da Vieles nicht bekannt vor? Diese stete Selbstbeobachtung ('War ich freundlich, höflich, tolerant.... genug?') oder der ständige Selbstoptimierungswahn, besser schlafen, essen, trinken, gehen.... Das Ich muss es zur Perfektion bringen, sonst ist das Leben nicht gelungen.
Schlussendlich: Zwar hinterlässt dieses Buch kein gutes Gefühl, sondern eher das Gegenteil. Aber so etwas ist ja nicht immer schlecht (wie in diesem Fall), denn hier regt es zum Nachdenken an. Und wie es dem Autor derart subtil gelingt, diese nur schwer zu beschreibende Abneigung gegen diese Gutmenschengesellschaft hervorzurufen: Große Klasse! show less
Die Geschichte ist ziemlich belanglos: Ein kurzer Ausschnitt aus dem Leben eines fast 27jährigen Literaturagenten, der sich an diverse vergangene Episoden seines Lebens erinnert, alles ohne allzu große Aufregungen oder Spannung. Auch die erscheinenden Personen incl. des Protagonisten sind, nun ja, show more recht nichtssagend. Selten waren mir die Figuren eines Romanes so gleichgültig wie hier, selbst die für mich eher unsympathische Hauptfigur war nicht so richtig unsympathisch - sie war mir einfach egal. Kaum eine Spur von Empathie, Zu- oder Abneigung, ganz zu schweigen von stärkeren Emotionen meiner Seite ;-) Was mich dennoch bis zum Ende ohne Mühe weiterlesen ließ, war das ständige Gefühl, dass mir die Gesellschaft, in der sich das Beschriebene ereignete, ziemlich bekannt vorkam. Dieses CobyCounty, hat das nicht große Ähnlichkeit mit uns?
Eigentlich ist es fast schon eine Utopie, diese fiktive Gesellschaft. Die Menschen dort scheinen durchweg erfolgreich zu sein, und zwar nicht im Schweiße ihres Angesichts, sondern meist durch die Nutzung ihrer kreativen Fähigkeiten. FilmemacherInnen, AutorInnen, ArchitektInnen undundund. Die Ergebnisse der Arbeiten dieser KünstlerInnen werden begeistert von der Außenwelt aufgenommen, die sich auch nur eines wünscht: Leben wie in CobyCounty. Alt und Jung ist kein Gegensatz mehr, sondern eine Ergänzung. Geschlechtergrenzen sind fließend, Partnerschaften sind mit jedem Geschlecht möglich. Alles ist gut - nein, besser! Und trotzdem überkam mich beim Lesen nicht ein einziges Mal das Gefühl, dass es dort tatsächlich besser ist. Denn dieses ganze Leben ist nur auf Eines ausgerichtet: Wie lebe ICH ein perfektes Leben? Alles was getan wird, geschieht nur im Hinblick auf dieses Ziel, nichts wird um des Tuns willen getan. Anschließend sonnt man sich im Bewusstsein ein guter Mensch zu sein, da man ja die richtigen Dinge getan hat. Doch das wird so beiläufig dargestellt, dass man es während des Lesens nicht richtig zu fassen bekommt. Unterschwellig wurde mein ablehndendes Gefühl immer stärker, zumindest manchmal deutlicher begründet durch einen Satz wie '...ich hatte von ihr (seiner Mutter) erfahren wollen, ob meine Geburt ihr Leben und das Leben meines Dads eigentlich sehr zum Negativen beeinflusst hat...'. Als ob das Negative eine Selbstverständlichkeit wäre bei der Geburt eines Kindes.
Kommt einem da Vieles nicht bekannt vor? Diese stete Selbstbeobachtung ('War ich freundlich, höflich, tolerant.... genug?') oder der ständige Selbstoptimierungswahn, besser schlafen, essen, trinken, gehen.... Das Ich muss es zur Perfektion bringen, sonst ist das Leben nicht gelungen.
Schlussendlich: Zwar hinterlässt dieses Buch kein gutes Gefühl, sondern eher das Gegenteil. Aber so etwas ist ja nicht immer schlecht (wie in diesem Fall), denn hier regt es zum Nachdenken an. Und wie es dem Autor derart subtil gelingt, diese nur schwer zu beschreibende Abneigung gegen diese Gutmenschengesellschaft hervorzurufen: Große Klasse! show less
Tanja, erfolgreiche Jungautorin, und der Webdesigner Jerome sind das Lifestylepaar der Gegenwart. Nicht nur sind sie in ihren Jobs erfolgreich, sie sehen auch gut aus und wissen, welche die places to be und vor allem to be seen in Berlin und Frankfurt sind. Sie pendeln zwischen diesen beiden Großstädten und ihrem virtuellen Dasein, immer auf der Suche nach der unmittelbaren Erfahrung, die jedoch auch medial vermittelt noch genau die Message vermitteln muss, wie sie sich gerne darstellen show more wollen. Jede Textnachricht an den anderen kann nicht spontan einfach losgeschickt werden, genau orchestrieren sie ihren Auftritt und planen ihre Erfahrungen, denn das Leben will wohlüberlegt sein.
Leif Randt war mit seinem Roman für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, so mancher Kritiker hat dem Buch das Potenzial wie einst Christian Krachts „Faserland“ zugeschrieben, da er das Lebensgefühl einer ganzen Generation überzeugend einfängt. Dieser Einschätzung würde ich mich anschließen, die beiden Protagonisten sind überzeugend in ihrer Art, was sie zwar nicht liebenswert macht, aber durchaus zu glaubwürdigen Vertretern.
Was beide gemeinsam haben ist der Hang zum Unverbindlichen und Vorläufigen. Bevor sie sich festlegen, wird genau überlegt, wie ihre Haltung wirken und wahrgenommen werden könnte. Vor lauter Selbstreflektion - allerdings nur im Sinne einer gelungenen Außendarstellung - und Bewertung jeder Aussage, fehlt ihnen die Zeit zum Sein im Hier und Jetzt. Geleitet werden sie von einer Sicht durch eine Linse, immer fokussiert auf das Image eines ICH, das nicht ist, sondern geschaffen wird. Akribisch werden die Sexualakte notiert und auch sonst alles festgehalten, was sich durch Zahlen erfassen lässt. Jede Antwort auf eine Email muss auch die Bewertung dieser beinhalten - Likes als neue Währung on- und offline.
Tanja genau wie Jerome ist anstrengend. Als Autorin sollte sie eine gute Beobachterin der Menschen sein, zieht jedoch die schnelle Wertung und den oberflächlichen Blick vor. Eine Autorin im Instagram Stil: viel Optik, bei vernachlässigbarem Content. Auch Jerome setzt voll auf Performanz und ist mit Mitte 30 noch weit davon entfernt, erwachsen zu sein.
Der Erzählton hat mir gefallen, er passt zu den Figuren und ihrem dargestellten Leben. Dass sie selbst Emotionen versuchen zu performen statt sie zu empfinden, bricht ihnen zwangsläufig das Genick, ist aber nicht weiter schlimm, das lässt sich durch den Weichzeichner auch wieder kitten und ein wenig Melancholie kann ja auch gut ankommen. Sie sind natürlich überzeichnet, aber keine Karikaturen. Nimend will so sein und darin liegt für mich auch der Reiz des Buches: das detailliert getrackte, vermessene und medial aufbereitete Leben ist wertlos, wenn es ohne Emotion bleibt. Wer nur für die anderen lebt, lebt nicht. Vielleicht einfach mal das Handy ausschalten und nur sein. show less
Leif Randt war mit seinem Roman für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, so mancher Kritiker hat dem Buch das Potenzial wie einst Christian Krachts „Faserland“ zugeschrieben, da er das Lebensgefühl einer ganzen Generation überzeugend einfängt. Dieser Einschätzung würde ich mich anschließen, die beiden Protagonisten sind überzeugend in ihrer Art, was sie zwar nicht liebenswert macht, aber durchaus zu glaubwürdigen Vertretern.
Was beide gemeinsam haben ist der Hang zum Unverbindlichen und Vorläufigen. Bevor sie sich festlegen, wird genau überlegt, wie ihre Haltung wirken und wahrgenommen werden könnte. Vor lauter Selbstreflektion - allerdings nur im Sinne einer gelungenen Außendarstellung - und Bewertung jeder Aussage, fehlt ihnen die Zeit zum Sein im Hier und Jetzt. Geleitet werden sie von einer Sicht durch eine Linse, immer fokussiert auf das Image eines ICH, das nicht ist, sondern geschaffen wird. Akribisch werden die Sexualakte notiert und auch sonst alles festgehalten, was sich durch Zahlen erfassen lässt. Jede Antwort auf eine Email muss auch die Bewertung dieser beinhalten - Likes als neue Währung on- und offline.
Tanja genau wie Jerome ist anstrengend. Als Autorin sollte sie eine gute Beobachterin der Menschen sein, zieht jedoch die schnelle Wertung und den oberflächlichen Blick vor. Eine Autorin im Instagram Stil: viel Optik, bei vernachlässigbarem Content. Auch Jerome setzt voll auf Performanz und ist mit Mitte 30 noch weit davon entfernt, erwachsen zu sein.
Der Erzählton hat mir gefallen, er passt zu den Figuren und ihrem dargestellten Leben. Dass sie selbst Emotionen versuchen zu performen statt sie zu empfinden, bricht ihnen zwangsläufig das Genick, ist aber nicht weiter schlimm, das lässt sich durch den Weichzeichner auch wieder kitten und ein wenig Melancholie kann ja auch gut ankommen. Sie sind natürlich überzeichnet, aber keine Karikaturen. Nimend will so sein und darin liegt für mich auch der Reiz des Buches: das detailliert getrackte, vermessene und medial aufbereitete Leben ist wertlos, wenn es ohne Emotion bleibt. Wer nur für die anderen lebt, lebt nicht. Vielleicht einfach mal das Handy ausschalten und nur sein. show less
Hat man es hier mit der Fortsetzung der Reihe Huysmans, Salinger, Kracht zu tun oder ist man in Wahrheit auf einen Schelmenroman hereingefallen? Einen, der sich als *zwinker* *zwinker* Gesellschaftskritik tarnt?
Farblose Hipster, unter deren schillernder Oberfläche sich nicht allzu viel findet (Hipster eben), haben in einer der Truman-Show nicht unähnlichen Stadt, lächerliche Hipsterprobleme. Beim Lesen weiß man nie so recht, ob man jetzt über das alles schmunzeln soll oder den show more Protagonisten insgeheim eine reinhauen will. Ich tendierte ab der Hälfte zu Letzterem. Man will diese verweichlichten, versnobten, elend bürgerlichen, vom Markt zerfressenen Visagen am liebsten Dauertorpedieren. Man will dann darüber lachen, wenn sie zurückschlagen wie Mädchen.
Solange es Menschen wie in diesem Buch gibt, wird es z.B. eine FPÖ geben. Das ausgleichende Korrektiv für ein anderes Extrem.
Aber hatten wir das alles schon nicht Mal? Vor 70 Jahren? Sind die Hipster jetzt die neuen Juden? show less
Farblose Hipster, unter deren schillernder Oberfläche sich nicht allzu viel findet (Hipster eben), haben in einer der Truman-Show nicht unähnlichen Stadt, lächerliche Hipsterprobleme. Beim Lesen weiß man nie so recht, ob man jetzt über das alles schmunzeln soll oder den show more Protagonisten insgeheim eine reinhauen will. Ich tendierte ab der Hälfte zu Letzterem. Man will diese verweichlichten, versnobten, elend bürgerlichen, vom Markt zerfressenen Visagen am liebsten Dauertorpedieren. Man will dann darüber lachen, wenn sie zurückschlagen wie Mädchen.
Solange es Menschen wie in diesem Buch gibt, wird es z.B. eine FPÖ geben. Das ausgleichende Korrektiv für ein anderes Extrem.
Aber hatten wir das alles schon nicht Mal? Vor 70 Jahren? Sind die Hipster jetzt die neuen Juden? show less
Liest sich wie eine menschenfreundliche Version von "Faserland", Stil und Inhalt sind sich extrem ähnlich, nur hat "Schimmernder Dunst" eine wesentlich surrealere Note, der Ort "CobyCounty" ist erfunden und alles dort ist perfekt: die Menschen glücklich und reich, die Jobs kreativ und das Wetter gut. Das gibt dem ganzen eine interessante bodenlose Note.
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