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Die 85-jährige Maria Dolors lebt seit einem Schlaganfall und der daraus resultierenden Stummheit im Haushalt ihrer jüngeren Tochter Leonor, deren Mann Jofre und den Kindern Sandra und Martí. Bis auf Martí hält die Familie Dolors für eine tatterige alte Dame, die zu alt ist, um überhaupt noch etwas von ihrer Umwelt richtig wahrzunehmen. Doch da irren sie sich gewaltig. Von außen betrachtet wirkt sie alt, zerbrechlich und nicht mehr bei klarem Verstand. Ihre Tochter scheint froh über die Tatsache zu sein, dass ihre Mutter sich alleine strickenderweise beschäftigen kann. Enkelin Sandra stört es nicht, wenn ihre Oma bei "Männerbesuch" zuhören könnte, sie kriegt es ja eh nicht mehr mit. Schwiegersohn Jofre hat eine Affäre, aber er ist ja sowieso ein Windhung und zu nichts nütze. Nur Enkel Martí ahnt bzw. weiß, dass seine Oma mehr verdient hat, als nur als Hausinventar angesehen zu werden und versucht ihr die Welt und die Technik von heute zu erklären.
Eigentlich führt Dolors nun ein tristes Dasein, von Montag bis Samstag sitzt und strickt sie an dem Pullover für ihre Enkelin, nur sonntags kommt ihre erste Tochter Teresa aus Madrid vorbei, um mit ihr ein wenig spazieren zu gehen. Doch im Grunde scheint Dolors sehr glücklich zu sein. Zum einen hält sie sich sehr am Stricken fest und sieht es als kleine, letzte Lebensaufgabe an. Zum anderen hat sie eine sehr scharfsinnige und von der Familie, abgesehen von Martí und Teresa, unterschätzte Beobachtungsgabe, show more mit der sie gedanklich die Geschehnisse in der Familie dokumentiert, resümiert, Schlüsse zieht und Parallelen ihrer eigenen Geschichte entdeckt. Dadurch ist der Roman von sehr vielen Zeitsprüngen geprägt. Ich habe nicht mitgezählt, aber ich würde schätzen, dass so um die fünf unterschiedliche Stationen ihres Lebens parallel erzählt werden und an denen immer wieder angeknüpft wird.
Mir hat es großen Spaß gebracht, dieses Buch zu lesen, was vermutlich vor allem an den vielen Zeitsprüngen lag, die auch charakteristisch für den geistigen Zustand Dolors stehen. Einerseits besitzt sie einen sehr scharfen Verstand, jedoch geht auch das Alter nicht wirklich spurlos an ihr vorbei. Ein bisschen tatterig ist sie schon, verliert ein wenig das Zeitgefühl, doch das erscheint auch immer unwichtiger. Denn das wichtigste sind die Erinnerungen, wichtige Stationen ihres Lebens, die Dolors noch sehr gut im Gedächtnis geblieben sind und an die sie sich immer wieder bewusst erinnert und anknüpft.

Einen Stern Abzug gibt es, da die Familiengeschichte stellenweise ein wenig übertrieben war und mich zum Teil an Ereignisse aus einer Soap erinnerte. Dem Lesespaß hat dies allerdings keinen Abbruch getan, da die Autorin eine gute Balance zwischen den verschiedenen Vergangenheiten und der Gegenwart aufrecht hielt. Für mich persönlich rückte damit eher die Geschichte Dolors’ in den Vordergrund und ich empfand eine vollkommene Identifikation mit der Protagonistin.
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