Jerusalem im Jahre des Herrn 1148: Die junge Adelige Heilwig erkrankt auf dem zweiten Kreuzzug an Lepra. Nur ihr Mentor und Lehensherr, Bischof Otto von Freising, glaubt noch an ihre Rettung und tatsächlich kann sie – wie durch ein Wunder vollkommen genesen – nach Baiern zurückkehren.
In ihrer Heimat wird die Gezeichnete unter dem Namen Blanka von der Bevölkerung fast schon wie eine Heilige verehrt. Doch als ihr Vater stirbt, droht neues Ungemach: Der Verwalter der Kirchengüter verweigert ihr die Erbschaft des Lehensgutes Burgrain. Das Vogteiamt untersteht nämlich Otto dem Rotkopf vom Geschlecht der aufstrebenden Wittelsbacher. Und diese versäumen keine Gelegenheit, sich strittige Ländereien, notfalls auch mit Gewalt, anzueignen. Bischof Otto weiß sich zu wehren: Indem er in Kloster Neustift Urkunden – unter anderem mit Hilfe der begabten Blanka – fingieren lässt, weist er seinerseits umstrittenen Besitz rechtskräftig dem Bistum zu. In ihrer neuen Wirkungsstätte Neustift pflegt Blanka auch einem schwer verwundeten Ritter; sie verliebt sich in ihn und zeugt mit diesem ein Kind. Was sie noch nicht weiß: Der gutaussehende Mann ist Otho Kopf, ein gefährlicher Kämpe der Wittelsbacher. Um Burgrain für sich und die Kirche zu sichern, heiratet Blanka widerwillig den bischöflichen Richter Pero. Doch die Ehe geht nicht gut, Pero ahnt den Ehebruch und bewirkt ein Gottesurteil, das dramatisch endet: Er selbst stirbt an den Folgen seiner Verletzung, der für show more Blanka kämpfende Otho wird lebensbedrohlich verwundet und Blanka selbst verstoßen. Als sie erfährt, dass sich die Wittelsbacher mit Heinrich dem Löwen verbunden haben und den Markt Föhring angreifen, muss sie sich endgültig zwischen der Macht der Kirche und der Macht der Wittelsbacher entscheiden …
Die im Roman genannten – gefälschten – Urkunden existieren wirklich und werden unter anderem in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt. Wer die Fälschungen begangen hat, wird wohl Bischof Ottos Geheimnis bleiben – ein Glücksfall für die Autorin.
Die 1973 geborene Julia Freidank ist in Freising aufgewachsen und kam über ihr Hobby, den Schwertkampf, zum Schreiben. In ihrem zweiten Roman fährt sie das ganze Repertoire derzeit gängiger Mittelalterromane auf – oft auch in einer reichlich deftigen und manchmal auch sehr spezifischen Sprache: den Konflikt zwischen der adligen Oberschicht und dem einfachen Volk, die Zurückdrängung des germanischen Götterglaubens durch das Christentum, die Machtansprüche zwischen Kirche und weltlichen Herrschern, die aufkommende Überlegenheit des Geldes gegenüber dem Grundbesitz, den Zwiespalt zwischen Lehenstreue und individueller Überzeugung sowie die Angst vor Seuchen und um das ewige Seelenheil. Dem Geschmack unserer Zeit geschuldet, nehmen natürlich die komplexe Liebesgeschichte sowie die Auseinandersetzung mit dem Frauenleben im Mittelalter besonders großen Raum ein.
Die gut recherchierte und virtuos ausgeführte Handlung entwirft ein lebendiges und unterhaltsames Porträt des Mittelalters und wird durch ein informatives Nachwort sowie ein Personenverzeichnis auch für weniger beschlagene Leser aufs Beste ergänzt. show less
In ihrer Heimat wird die Gezeichnete unter dem Namen Blanka von der Bevölkerung fast schon wie eine Heilige verehrt. Doch als ihr Vater stirbt, droht neues Ungemach: Der Verwalter der Kirchengüter verweigert ihr die Erbschaft des Lehensgutes Burgrain. Das Vogteiamt untersteht nämlich Otto dem Rotkopf vom Geschlecht der aufstrebenden Wittelsbacher. Und diese versäumen keine Gelegenheit, sich strittige Ländereien, notfalls auch mit Gewalt, anzueignen. Bischof Otto weiß sich zu wehren: Indem er in Kloster Neustift Urkunden – unter anderem mit Hilfe der begabten Blanka – fingieren lässt, weist er seinerseits umstrittenen Besitz rechtskräftig dem Bistum zu. In ihrer neuen Wirkungsstätte Neustift pflegt Blanka auch einem schwer verwundeten Ritter; sie verliebt sich in ihn und zeugt mit diesem ein Kind. Was sie noch nicht weiß: Der gutaussehende Mann ist Otho Kopf, ein gefährlicher Kämpe der Wittelsbacher. Um Burgrain für sich und die Kirche zu sichern, heiratet Blanka widerwillig den bischöflichen Richter Pero. Doch die Ehe geht nicht gut, Pero ahnt den Ehebruch und bewirkt ein Gottesurteil, das dramatisch endet: Er selbst stirbt an den Folgen seiner Verletzung, der für show more Blanka kämpfende Otho wird lebensbedrohlich verwundet und Blanka selbst verstoßen. Als sie erfährt, dass sich die Wittelsbacher mit Heinrich dem Löwen verbunden haben und den Markt Föhring angreifen, muss sie sich endgültig zwischen der Macht der Kirche und der Macht der Wittelsbacher entscheiden …
Die im Roman genannten – gefälschten – Urkunden existieren wirklich und werden unter anderem in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt. Wer die Fälschungen begangen hat, wird wohl Bischof Ottos Geheimnis bleiben – ein Glücksfall für die Autorin.
Die 1973 geborene Julia Freidank ist in Freising aufgewachsen und kam über ihr Hobby, den Schwertkampf, zum Schreiben. In ihrem zweiten Roman fährt sie das ganze Repertoire derzeit gängiger Mittelalterromane auf – oft auch in einer reichlich deftigen und manchmal auch sehr spezifischen Sprache: den Konflikt zwischen der adligen Oberschicht und dem einfachen Volk, die Zurückdrängung des germanischen Götterglaubens durch das Christentum, die Machtansprüche zwischen Kirche und weltlichen Herrschern, die aufkommende Überlegenheit des Geldes gegenüber dem Grundbesitz, den Zwiespalt zwischen Lehenstreue und individueller Überzeugung sowie die Angst vor Seuchen und um das ewige Seelenheil. Dem Geschmack unserer Zeit geschuldet, nehmen natürlich die komplexe Liebesgeschichte sowie die Auseinandersetzung mit dem Frauenleben im Mittelalter besonders großen Raum ein.
Die gut recherchierte und virtuos ausgeführte Handlung entwirft ein lebendiges und unterhaltsames Porträt des Mittelalters und wird durch ein informatives Nachwort sowie ein Personenverzeichnis auch für weniger beschlagene Leser aufs Beste ergänzt. show less
„Back to blood“ ist der letzte große Roman des Journalisten und Yale-Absolventen Tom Wolfe (1930 – 2018). Bereits sein erster Roman „Fegefeuer der Eitelkeiten“ machte ihn Ende der 1980er Jahre auch in Deutschland bekannt. In den 1990ern folgte „Ein ganzer Kerl“, in den 2000ern „Ich bin Charlotte Simmons“.
In „Back to blood“ hat er seine zentralen Themen erneut aufgegriffen: Rassenkonflikte, Machtgier, sexuelle Abhängigkeit und die Unberechenbarkeit des Schicksals – doch auch diesmal wieder in einem neuen Umfeld: Miami, die sonnendurchglühte, einstmals durch Drogenskandale und Bandenkriege gebeutelte 5,5 Millionen-Metropole in Florida, am Rande der Karibik.
Nestor Camacho ist – wie die meisten Einheimischen – ein Hispano, genauer: ein Kind ehemaliger Flüchtlinge aus Kuba. Er ist jung, er ist durchtrainiert, etwas eingebildet, aber im Grunde seines Herzens ein gutmütiger Mensch. Und er will dazugehören, zu denen, die Macht und Geld haben – den Americanos. Was seinen Beruf als Polizist nicht gerade vereinfacht. Als er im Hafen einen kubanischen Flüchtling auf einem 30 Meter hohen Segelmast verhaftet, wird er von den Americanos als Held gefeiert, aber von seinen eigenen Landsleuten und sogar der eigenen Familie zum Verräter abgestempelt. Und ausgerechnet jetzt verlässt ihn auch noch seine wunderschöne Freundin Magdalena, die lieber mit ihrem Chef geht, einem hellhäutigen aufstrebenden Nervenarzt, der sich auf die Behandlung von show more krankhafter Pornographiesucht spezialisiert hat.
Es scheint, dass Nestors einziger Freund der äußerlich recht unbedarft erscheinende Journalist John Smith vom Miami Herald ist, der sehr wohlwollend über ihn berichtet. Und so hilft Nestor diesem bei seinem großen Coup: zu beweisen, dass die von einem sehr reichen Russen gestifteten klassischen Gemälde, die letztendlich zur Gründung des bedeutendsten lokalen Kunstmuseums führten, alle gefälscht sind.
Am Ende fügen sich die vielen Erzählstränge – weitaus mehr, als hier zusammengefasst – wieder zusammen. Denn Magdalena, die in dem russischen Oligarchen einen neuen Liebhaber gefunden, inzwischen aber eiskalt abserviert wurde, sinnt auf Rache und soll als Kronzeugin der großen Enthüllung fungieren …
Acht Jahre hat sich Wolfe mit seinem Roman Zeit gelassen, dementsprechend detailreich zeigt Wolfe ein pralles Sittengemälde von den Sexorgien und Kommerzexzessen der Superreichen bis zu den Drogenabhängigen und Jugendgangs der Außenseiter. Statt einer Wertung lässt er Bilder und Sprache wirken, das ist satirisch, manchmal grell, immer üppig. Aber es spricht für sich, wenn seine Figuren „bis zur Kenntlichkeit entstellt sind“ um mit seinem Dandy-Kollegen Oscar Wilde zu sprechen. Sie verkörpern all die ewigen Ängste, Hoffnungen und Wünsche, die weit über ein reines Zeitbild hinausgehen, in einem Land, in dem der „pursuit of happiness“ – die Suche nach Glück – in der Verfassung verankert ist. Wie der Autor den „Kampf der Kulturen“ beschreibt, ist so unterhaltsam und episch wie ein Roman nur sein kann. Und wenn die ganzen Geschichten auch kein echtes Ende finden – ein weiteres Markenzeichen von Tom Wolfe – das ist das echte Leben! show less
In „Back to blood“ hat er seine zentralen Themen erneut aufgegriffen: Rassenkonflikte, Machtgier, sexuelle Abhängigkeit und die Unberechenbarkeit des Schicksals – doch auch diesmal wieder in einem neuen Umfeld: Miami, die sonnendurchglühte, einstmals durch Drogenskandale und Bandenkriege gebeutelte 5,5 Millionen-Metropole in Florida, am Rande der Karibik.
Nestor Camacho ist – wie die meisten Einheimischen – ein Hispano, genauer: ein Kind ehemaliger Flüchtlinge aus Kuba. Er ist jung, er ist durchtrainiert, etwas eingebildet, aber im Grunde seines Herzens ein gutmütiger Mensch. Und er will dazugehören, zu denen, die Macht und Geld haben – den Americanos. Was seinen Beruf als Polizist nicht gerade vereinfacht. Als er im Hafen einen kubanischen Flüchtling auf einem 30 Meter hohen Segelmast verhaftet, wird er von den Americanos als Held gefeiert, aber von seinen eigenen Landsleuten und sogar der eigenen Familie zum Verräter abgestempelt. Und ausgerechnet jetzt verlässt ihn auch noch seine wunderschöne Freundin Magdalena, die lieber mit ihrem Chef geht, einem hellhäutigen aufstrebenden Nervenarzt, der sich auf die Behandlung von show more krankhafter Pornographiesucht spezialisiert hat.
Es scheint, dass Nestors einziger Freund der äußerlich recht unbedarft erscheinende Journalist John Smith vom Miami Herald ist, der sehr wohlwollend über ihn berichtet. Und so hilft Nestor diesem bei seinem großen Coup: zu beweisen, dass die von einem sehr reichen Russen gestifteten klassischen Gemälde, die letztendlich zur Gründung des bedeutendsten lokalen Kunstmuseums führten, alle gefälscht sind.
Am Ende fügen sich die vielen Erzählstränge – weitaus mehr, als hier zusammengefasst – wieder zusammen. Denn Magdalena, die in dem russischen Oligarchen einen neuen Liebhaber gefunden, inzwischen aber eiskalt abserviert wurde, sinnt auf Rache und soll als Kronzeugin der großen Enthüllung fungieren …
Acht Jahre hat sich Wolfe mit seinem Roman Zeit gelassen, dementsprechend detailreich zeigt Wolfe ein pralles Sittengemälde von den Sexorgien und Kommerzexzessen der Superreichen bis zu den Drogenabhängigen und Jugendgangs der Außenseiter. Statt einer Wertung lässt er Bilder und Sprache wirken, das ist satirisch, manchmal grell, immer üppig. Aber es spricht für sich, wenn seine Figuren „bis zur Kenntlichkeit entstellt sind“ um mit seinem Dandy-Kollegen Oscar Wilde zu sprechen. Sie verkörpern all die ewigen Ängste, Hoffnungen und Wünsche, die weit über ein reines Zeitbild hinausgehen, in einem Land, in dem der „pursuit of happiness“ – die Suche nach Glück – in der Verfassung verankert ist. Wie der Autor den „Kampf der Kulturen“ beschreibt, ist so unterhaltsam und episch wie ein Roman nur sein kann. Und wenn die ganzen Geschichten auch kein echtes Ende finden – ein weiteres Markenzeichen von Tom Wolfe – das ist das echte Leben! show less
Seido Oda ist ein introvertierter japanischer Junge – und der Liebling seines Vaters, der für ihn die prestigeträchtige Aufnahme als Novize im nahegelegenen Schrein des buddhistischen Quellwasser-Ordens erwirkt. Dieser hat nach seiner Ausbildung eine besondere Aufgabe für ihn; er soll der Priester des ersten und noch zu errichtenden Tempels seiner Ordensgemeinschaft in New York – genauer gesagt im italienischen Viertel von Brooklyn – werden.
Die Amerikaner hat er bereits in Japan als Touristen der elterlichen Herberge kennengelernt, und dort waren sie laut, ignorant und besserwisserisch. Nun kommt der weltfremde und auch etwas engstirnige „Reverend Oda“ also in den kulturell so unterschiedlichen Westen – und die dortige Gemeinde ist laut, ignorant und besserwisserisch. Er ist plötzlich der „Boss“, seine persönliche Assistentin Jennifer trägt enge T-Shirts und einen Igelschnitt und die Gemeinde tut alles, um ihn mit ihrer individualistischen und kapitalistischen Sicht der Dinge in die Verzweiflung zu treiben.
Die Entscheidung seines Ordens war dennoch richtig: dank der wirtschaftlichen Ader Seido Odas wächst der Tempel zusehends und die Lebenslust von Jennifer wirkt auch auf ihn ansteckend.
Auch wenn die interkulturellen Aspekte den einen oder anderen Schmunzler hervorrufen (durch einen falsch zitierten Ausspruch zu einer für Oda belanglosen Modenschau steigt er plötzlich zum Fashion-Guru auf), ist der Roman auch hervorragendes Beispiel für einen show more Entwicklungsroman. Liebe und Freundschaft sind der Schlüssel zum wahren Buddhaland (so der Originaltitel) und die Erleuchtung kann einen im quirligen New York genauso treffen, wie im stillen Fukushima (dessen Reaktorkatastrophe beim Schreiben dieses Buches jedoch noch keine Rolle gespielt hat).
Richard Morais, der Amerikaner mit den portugiesischen Wurzeln wuchs in der Schweiz auf und war Wirtschaftsjournalist in Großbritannien („Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef“, 2011). Er weiß um das Fremdsein unter Fremden und um die verschiedensten Facetten von Geld und Geist. So führt er auch seinen Charakter Seido Oda von einer professionellen „Distanz“ zur Welt zu einer menschlichen Fähigkeit der inneren Nähe. Gut recherchiert und einfühlsam geschrieben – wie Morais die Leser an dieser langsamen Entwicklung zum wahren Verständnis teilhaben lässt, kommt im Kopf so lebendig an, wie ein guter Kinofilm. Zugleich stellt er die Frage nach dem derzeitigen Trendthema Spiritualität ohne Dogmatik – das das tut zuweilen sein Protagonist für ihn. show less
Die Amerikaner hat er bereits in Japan als Touristen der elterlichen Herberge kennengelernt, und dort waren sie laut, ignorant und besserwisserisch. Nun kommt der weltfremde und auch etwas engstirnige „Reverend Oda“ also in den kulturell so unterschiedlichen Westen – und die dortige Gemeinde ist laut, ignorant und besserwisserisch. Er ist plötzlich der „Boss“, seine persönliche Assistentin Jennifer trägt enge T-Shirts und einen Igelschnitt und die Gemeinde tut alles, um ihn mit ihrer individualistischen und kapitalistischen Sicht der Dinge in die Verzweiflung zu treiben.
Die Entscheidung seines Ordens war dennoch richtig: dank der wirtschaftlichen Ader Seido Odas wächst der Tempel zusehends und die Lebenslust von Jennifer wirkt auch auf ihn ansteckend.
Auch wenn die interkulturellen Aspekte den einen oder anderen Schmunzler hervorrufen (durch einen falsch zitierten Ausspruch zu einer für Oda belanglosen Modenschau steigt er plötzlich zum Fashion-Guru auf), ist der Roman auch hervorragendes Beispiel für einen show more Entwicklungsroman. Liebe und Freundschaft sind der Schlüssel zum wahren Buddhaland (so der Originaltitel) und die Erleuchtung kann einen im quirligen New York genauso treffen, wie im stillen Fukushima (dessen Reaktorkatastrophe beim Schreiben dieses Buches jedoch noch keine Rolle gespielt hat).
Richard Morais, der Amerikaner mit den portugiesischen Wurzeln wuchs in der Schweiz auf und war Wirtschaftsjournalist in Großbritannien („Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef“, 2011). Er weiß um das Fremdsein unter Fremden und um die verschiedensten Facetten von Geld und Geist. So führt er auch seinen Charakter Seido Oda von einer professionellen „Distanz“ zur Welt zu einer menschlichen Fähigkeit der inneren Nähe. Gut recherchiert und einfühlsam geschrieben – wie Morais die Leser an dieser langsamen Entwicklung zum wahren Verständnis teilhaben lässt, kommt im Kopf so lebendig an, wie ein guter Kinofilm. Zugleich stellt er die Frage nach dem derzeitigen Trendthema Spiritualität ohne Dogmatik – das das tut zuweilen sein Protagonist für ihn. show less
Pepe Carvalho ist ein würdiger Nachfolger des großen Philipp Marlowe in Barcelona: ein hartgekochtes private-eye, arm aber souverän, sarkastisch aber weichherzig, ein Gourmet, der einen Rioja Alta 904 zu schätzen weiß, bevor er sich ihm restlos ergibt.
Er staunt jedoch nicht schlecht, als ihm eines Tages mitgeteilt wird, es warte a) ein Auftrag; b) 200.000 Peseten Vorschuß und c) ein Privatjet mit dem anheimelnden Namen Père Lachaise auf ihn. Er soll den Vater des Auftraggebers, der den höchstdotierten Literaturpreis des Landes "Venice - Stiftung Lázaro Conesal" in Madrid höchstpersönlich vergibt, bei der Preisverleihung als Leibwächter dienen. Doch dazu wird es nicht mehr kommen: Kurz vor dem offiziellen Verkünden des diesjährigen Preisträgers wird der marode Millionär aus Edelstahl tot im Bademantel aufgefunden. Und weil Pepe Carvalho nun schon mal in Madrid ist, unterstützt er die Ermittlungen des Kommissars Sagalés...
Der Roman, dessen Handlung sozusagen den Ablauf eines einzigen Tages darstellt, wird zwar mit Rückblenden und Szenenwechseln durchsetzt; ist aber lediglich in Abschnitte unterteilt und impliziert somit, ihn am besten in einem Stück durchzulesen. Eines der zentralen Motive "Uroboros" spielt nicht nur im Kriminalfall eine entscheidende Rolle; der Autor hat sich auch selbst daran gehalten und den Roman in eine Form gebracht, die der einer, sich selbst durch alle Dinge windenden, Schlange gleicht. Den Reihentitel "rororo thriller" darf man show more nicht allzu wörtlich nehmen - sicher ist es spannend, wer nun dem Millionär aus welchem Grund ans Leben wollte, aber mehr wird man auf seine Kosten kommen, indem man in die Atmosphäre eintaucht. Skurrile Finanzhaie, lüsterne Damen jenseits der besten Jahre und größenwahnsinnige Schriftsteller drücken sich gegenseitig die Klinke in die Hand und talken so small, dass man den Eindruck gewinnen könnte, die Dialoge seien aus dem tatsächlichen Leben gegriffen. Das zieht sich durch 285 Seiten und kann so nerven, dass es eine wahre Freude ist. Klischees über die Verflechtung von Kunst und Kommerz werden vorurteilsfrei erfüllt, Politiker sind stets die Guten, da sie immer die Ahnungslosen sind und die Literatur wird so modern geplündert, dass sie zumindest als Staffage Sinn bekommt.
Selten ist der sophisticated twist zwischen dem Hehren und dem Banalen so leichtfüßig und unterhaltsam dargestellt worden - was kann man von einem Kriminalroman mehr erwarten? show less
Er staunt jedoch nicht schlecht, als ihm eines Tages mitgeteilt wird, es warte a) ein Auftrag; b) 200.000 Peseten Vorschuß und c) ein Privatjet mit dem anheimelnden Namen Père Lachaise auf ihn. Er soll den Vater des Auftraggebers, der den höchstdotierten Literaturpreis des Landes "Venice - Stiftung Lázaro Conesal" in Madrid höchstpersönlich vergibt, bei der Preisverleihung als Leibwächter dienen. Doch dazu wird es nicht mehr kommen: Kurz vor dem offiziellen Verkünden des diesjährigen Preisträgers wird der marode Millionär aus Edelstahl tot im Bademantel aufgefunden. Und weil Pepe Carvalho nun schon mal in Madrid ist, unterstützt er die Ermittlungen des Kommissars Sagalés...
Der Roman, dessen Handlung sozusagen den Ablauf eines einzigen Tages darstellt, wird zwar mit Rückblenden und Szenenwechseln durchsetzt; ist aber lediglich in Abschnitte unterteilt und impliziert somit, ihn am besten in einem Stück durchzulesen. Eines der zentralen Motive "Uroboros" spielt nicht nur im Kriminalfall eine entscheidende Rolle; der Autor hat sich auch selbst daran gehalten und den Roman in eine Form gebracht, die der einer, sich selbst durch alle Dinge windenden, Schlange gleicht. Den Reihentitel "rororo thriller" darf man show more nicht allzu wörtlich nehmen - sicher ist es spannend, wer nun dem Millionär aus welchem Grund ans Leben wollte, aber mehr wird man auf seine Kosten kommen, indem man in die Atmosphäre eintaucht. Skurrile Finanzhaie, lüsterne Damen jenseits der besten Jahre und größenwahnsinnige Schriftsteller drücken sich gegenseitig die Klinke in die Hand und talken so small, dass man den Eindruck gewinnen könnte, die Dialoge seien aus dem tatsächlichen Leben gegriffen. Das zieht sich durch 285 Seiten und kann so nerven, dass es eine wahre Freude ist. Klischees über die Verflechtung von Kunst und Kommerz werden vorurteilsfrei erfüllt, Politiker sind stets die Guten, da sie immer die Ahnungslosen sind und die Literatur wird so modern geplündert, dass sie zumindest als Staffage Sinn bekommt.
Selten ist der sophisticated twist zwischen dem Hehren und dem Banalen so leichtfüßig und unterhaltsam dargestellt worden - was kann man von einem Kriminalroman mehr erwarten? show less
Gewissermaßen kann man den umfangreichen Band als Nachfolgewerk zu "Comics : vom Massenblatt ins Multimediale Abenteuer" (Rowohlt, 1996) verstehen, doch nicht nur die Gestaltung ist großzügiger und wesentlich moderner geworden, auch der Text wurde lebendiger und erzählerischer. Als Einstieg wählt der Autor (der u.a. Cheflektor im Carlsen Verlag und Mitbegründer des Fachmagazins Comixene war, sowie zahlreiche Monographien über Comics veröffentlicht hat) denn auch die sehr persönlich wahrgenommene Geschichte des Comics im Nachkriegsdeutschland, bevor er seinen Blick über ca. 30.000 Jahre Bildergeschichte zu schweifen lassen beginnt. Während Platthaus mit seinem exemplarischen Überblick "Im Comic vereint" (Alexander Fest Verlag, 1998) soziologische und künstlerische Aspekte in den Vordergrund stellt, legt Knigge den Schwerpunkt auf historische und ökonomische Gesichtspunkte, wobei auch neuere Tendenzen nicht ausgespart werden, wie zum Beispiel die Manga-Mania, die Verfilmungswelle oder der Medienverbund. Erfreulich ist, dass der Autor auch einige heiße Eisen anpackt: Das Bild der Frau, Comic in totalitären Regimen oder Indizierungen werden nicht ausgeklammert, hier übernimmt er allerdings gerne noch gültige Passagen aus seinen früheren Publikationen.
Die Orientierung wird durch Bildausschnitte, Verweisungen und Randnotizen erleichtert, die eher spärlichen aber geschickt ausgewählten Beispielabbildungen bieten auch dem bildorientierten Auge einiges.
Wenn show more trotzdem nicht "alles über Comics" auf 435 Seiten zu finden sein kann - hier hat der deutsche Chronist der "Neunten Kunst" ein Standardwerk vorgelegt, das nicht nur für Enthusiasten von Interesse sein dürfte. show less
Die Orientierung wird durch Bildausschnitte, Verweisungen und Randnotizen erleichtert, die eher spärlichen aber geschickt ausgewählten Beispielabbildungen bieten auch dem bildorientierten Auge einiges.
Wenn show more trotzdem nicht "alles über Comics" auf 435 Seiten zu finden sein kann - hier hat der deutsche Chronist der "Neunten Kunst" ein Standardwerk vorgelegt, das nicht nur für Enthusiasten von Interesse sein dürfte. show less
Aug 19, 2013 (Edited)German




