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Der Roman "Liebesnähe" hat eine sehr schöne Ausgangs-Idee: Sich nicht blind verstehen, sondern sich ohne (gesprochene) Worte verstehen (ist das ein Männerwunsch?). "Liebesnähe" arbeitet durch den Verzicht auf verbale Kommunikation und das Setzen auf visuelle Kommunikation und kurze Notizen mit der bewußten Verlangsamung der Annäherung der Protagonisten.
(Gesprochene) Worte zerstören mehr als sie verbinden, findet der Schriftsteller Johannes Kirchner, einer der drei Protagonisten. Wie zum Beweis sind die Dialoge oft sehr holzig geraten (oder gestaltet?). Er möchte die Kontrolle über seine Worte behalten, das kann er nur beim geschriebenen Wort (vgl. S. 270).
Eine sehr schöne Idee des Romans sind auch die in Zettelkästen nach LeserInnen und Texten sortierten Lektüreerfahrungen, die zusammengenommen wieder eigene Geschichten erzählen.
"Liebesnähe" ist eine sich sehr gut lesende Geschichte über Liebe und Tod, Lesen und Schreiben, künstlerisches Schaffen und Archivieren als Methode der Verarbeitung des Verlustes eines geliebten Menschen; mit einer Buchhändlerin, die durch ihre Lektüreempfehlungen therapiert.
Etwas irritierend, daß an manchen Stellen mehr erklärt wird als eigentlich nötig ist und das in einem Text, der subtile Kommunikation ohne viele Worte zum Gegenstand hat. Trotzdem sehr lesenswert.