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Ich habe das deutsche Buch gelesen und war fasziniert: Kenizé Mourad nähert sich in dieser bunten, einfühlsamen, vielschichtigen Biografie ihrer Mutter, die sie nie gekannt hat - über deren Charakter sie nur aus Erzählungen und Fotos etwas erfahren konnte. Und sie tut es mit einer Grazie, die mir diese Frau trotz ihres ungestümen Wesens, das vordergründig leidet, weil es in Etikette gefangen wird, sich gleichzeitig aber auch in ihrer bevorzugten Stellung sonnt, sympathisch macht. Was davon Fiktion ist und was Realität, das interessiert mich weniger als das lebendig gemalte Sittenbild von Zeiten und Kulturen, die aus vielen anderen Berichten, Dokumentationen und Romanen bekannt scheinen. Ich habe das Buch in einer Nacht verschlungen und bin dankbar für all die Saiten, die dadurch in meiner Erinnerung angestoßen wurden: Spaziergänge durch Istanbul und seine Paläste, poetische Reisen in die Sufi-Mystik und Geschichten aus Indien der Maharadschas, verbunden mit den notwendigen zeitgeschichtlichen Ereignissen - ein schönes Buch.