»Wir haben es nicht gut gemacht.«: Der Briefwechsel | Ein einzigartiges Dokument der Liebesbeziehung eines der berühmtesten Paare der deutschsprachigen Literatur
by Ingeborg Bachmann
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Der dramatische Briefwechsel, vonseiten der Bachmann- wie der Frisch-Forschung kenntnisreich kommentiert, zeichnet ein neues, überraschendes Bild der Beziehung und stellt tradierte Bewertungen und Schuldzuweisungen in Frage. Frühjahr 1958: Ingeborg Bachmann - gefeierte Lyrikerin, Preisträgerin der Gruppe 47 und ›Coverstar‹ des Spiegel - bringt gerade ihr Hörspiel Der gute Gott von Manhattan auf Sendung. Max Frisch - erfolgreicher Romancier und Dramatiker, der noch im selben Jahr den show more Büchner-Preis erhält - ist in dieser Zeit mit Inszenierungen von Biedermann und die Brandstifter beschäftigt. Er schreibt der "jungen Dichterin", wie begeistert er von ihrem Hörspiel ist. Mit Bachmanns Antwort im Juni 1958 beginnt ein Briefwechsel, der - vom Kennenlernen bis lange nach der Trennung - in rund 300 überlieferten Schriftstücken Zeugnis ablegt vom Leben, Lieben und Leiden eines der bekanntesten Paare der deutschsprachigen Literatur. Nähe und Distanz, Bewunderung und Rivalität, Eifersucht, Fluchtimpulse und Verlustangst, aber auch die Schwierigkeiten des Arbeitens in einer gemeinsamen Wohnung und die Spannung zwischen Schriftstellerexistenz und Zweisamkeit - die Themen der autobiografischen Zeugnisse sind zeitlos. In den Büchern von Bachmann und Frisch hinterließ diese Liebe Spuren, die zum Teil erst durch die Korrespondenz erhellt werden können. Die Briefe zeigen die enge Verknüpfung von Leben und Werk, sie sind intime Mitteilungen und zugleich Weltliteratur. Ingeborg Bachmann, geboren am 25. Juni 1926 in Klagenfurt, wurde durch einen Auftritt vor der Gruppe 47 als Lyrikerin bekannt. Nach den Gedichtbänden Die gestundete Zeit (1953) und Anrufung des Großen Bären (1956) publizierte sie Hörspiele, Essays und zwei Erzählungsbände. Malina (1971) ist ihr einziger vollendeter Roman. Bachmann starb am 17. Oktober 1973 in Rom. Max Frisch, geboren am 15. Mai 1911 in Zürich, arbeitete zunächst als Journalist, später als Architekt, bis ihm mit seinem Roman Stiller (1954) der Durchbruch als Schriftsteller gelang. Es folgten die Romane Homo faber (1957) und Mein Name sei Gantenbein (1964) sowie Erzählungen, Tagebücher, Theaterstücke, Hörspiele und Essays. Frisch starb am 4. April 1991 in Zürich. Hans Höller war bis 2012 Professor für Neuere Deutsche Literatur am Fachbereich Germanistik der Universität Salzburg und bis 2020 einer der Gesamtherausgeber der Salzburger Bachmann Edition. Er ist Verfasser zahlreicher Bücher zur zeitgenössischen Literatur, Mitherausgeber mehrerer Bände der Thomas-Bernhard-Werkausgabe und der Jean-Améry-Ausgabe. Renate Langer ist Lehrbeauftragte am Institut für Germanistik der Universität Salzburg, Herausgeberin der Bände 3 und 6 der Thomas-Bernhard-Werkausgabe und Herausgeberin mehrerer Bände der Salzburger Bachmann Edition. Thomas Strässle ist Professor für Neuere deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich und Leiter des transdisziplinären Y Instituts an der Hochschule der Künste Bern. Er ist Präsident der Max Frisch-Stiftung. Barbara Wiedemann, Literaturwissenschaftlerin mit editionsphilologischem Schwerpunkt, ist Lehrbeauftragte an der Universität Tübingen, Herausgeberin von Werken und Briefen Paul Celans, Verfasserin quellenkritischer Studien zu Paul Celan im Kontext der zeitgenössischen Literatur (u. a. von Ingeborg Bachmann und Nelly Sachs). show lessTags
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JuliaMaria Briefwechsel mit Ingeborg Bachmann
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Ich scheue mich, einen privaten und intimen Briefwechsel, der nie für die Öffentlichkeit bestimmt war, mit Sternchen zu "bewerten". Trotzdem kann ich gar nicht anders, als die höchste Bewertung abzugeben für das, was dieses Buch in mir ausgelöst hat. Selten hat mich eine Lektüre so gebannt und bis in die Träume hinein beschäftigt wie dieser Briefwechsel, der sich stellenweise liest wie ein großer, sorgfältig komponierter Roman über die eine alles entscheidende Begegnung im Leben, die die ganz Klaviatur der tiefen Gefühle spielt - Liebe, Leidenschaft, Eifersucht, Trauer, Verzweiflung - und die das ganze weitere Leben beeinflusst. Bewegend, erschütternd, tieftraurig, und dabei ganz große Literatur. Dass es eben keine show more erfundene Geschichte ist, sondern das "wahre Leben", dass es nicht nacherzählt ist, sondern durch die Korrespondenz quasi "in Echtzeit" miterlebt wird, macht die ganze emotionale Wucht dieses Briefwechsels aus.
Natürlich habe ich mich vor der Lektüre gefragt, ob man das darf - einen Briefwechsel ganz gegen den Willen zumindest einer der beteiligten Personen veröffentlichen. Ich bin mir auch nach der Lektüre noch nicht sicher, ob es moralisch richtig ist. Richtig ist es aber doch in dem Sinne, dass durch die Veröffentlichung des Briefwechsels einige Mythen und Legenden über diese berühmte Beziehung widerlegt werden konnten.
Ganz abgesehen davon: Wenn man erst mal angefangen hat - immer ein bisschen mit dem schuldigen Gefühl, verbotenerweise durchs Schlüsselloch zu schauen, heimlich an der Tür zu lauschen oder in einem zufällig gefundenen fremden Tagebuch zu blättern - lässt es einen ohnehin nicht mehr los.
Ich empfehle die kongeniale Lesung mit Johanna Wokalek und Matthias Brandt. Das Buch sollte man allerdings zusätzlich zur Hand haben, um - parallel oder in einem zweiten Durchgang - die Anmerkungen, Kommentare und Einordnungen mitzulesen. Und, um es immer mal wieder irgendwo aufzuschlagen und sich in einzelne Briefe zu vertiefen. Denn fast jeder Brief ist große Literatur. show less
Natürlich habe ich mich vor der Lektüre gefragt, ob man das darf - einen Briefwechsel ganz gegen den Willen zumindest einer der beteiligten Personen veröffentlichen. Ich bin mir auch nach der Lektüre noch nicht sicher, ob es moralisch richtig ist. Richtig ist es aber doch in dem Sinne, dass durch die Veröffentlichung des Briefwechsels einige Mythen und Legenden über diese berühmte Beziehung widerlegt werden konnten.
Ganz abgesehen davon: Wenn man erst mal angefangen hat - immer ein bisschen mit dem schuldigen Gefühl, verbotenerweise durchs Schlüsselloch zu schauen, heimlich an der Tür zu lauschen oder in einem zufällig gefundenen fremden Tagebuch zu blättern - lässt es einen ohnehin nicht mehr los.
Ich empfehle die kongeniale Lesung mit Johanna Wokalek und Matthias Brandt. Das Buch sollte man allerdings zusätzlich zur Hand haben, um - parallel oder in einem zweiten Durchgang - die Anmerkungen, Kommentare und Einordnungen mitzulesen. Und, um es immer mal wieder irgendwo aufzuschlagen und sich in einzelne Briefe zu vertiefen. Denn fast jeder Brief ist große Literatur. show less
Jan 25, 2023 (Edited)German
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Ingeborg Bachmann was born in the Austrian town of Klagenfurt, in 1926. As a young women she moved to Vienna to study philosophy. After World War II, she moved to West Berlin, where her first volume of poetry, Die gestundete Zeit (On Borrowed Time, 1953), received the prestigious Group 47 prize. Bachmann also published fiction, radio plays, and show more songs. Like most writers who lived under Nazism, Bachmann often distrusts her society and its institutions. Her rebellion, however, has not taken the form of political activism but of a romantic longing for the absolute. Her verse, notable for its strong rhythms, usually employs traditional forms. She excels in describing landscapes. show less
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- Ingeborg Bachmann Max Frisch »Wir haben es nicht gut gemacht.«: Der Briefwechsel
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