Margarete Mitscherlich (1917–2012)
Author of The Inability to Mourn: Principles of Collective Behavior
Works by Margarete Mitscherlich
Müssen wir hassen? Über den Konflikt zwischen innerer und äußerer Realität. (1972) 7 copies, 1 review
Das Ende der Vorbilder: Vom Nutzen und Nachteil der Idealisierung (Serie Piper) (1978) 6 copies, 1 review
Trauer ist der halbe Trost. Gespräch mit Meinhard Schmidt- Degenhard. ( Pendo- Profile) . (1995) 1 copy
Müssen wir hassen ? 1 copy
Die friedfertige Frau. Eine psychoanalytische Untersuchung zur Aggression der Geschlechter. (1987) 1 copy
Eine Liebe zu sich selbst, die glücklich macht (Sachbuch (allgemein)) (German Edition) (2013) 1 copy
Tagged
Common Knowledge
- Legal name
- Mitscherlich, Margarete
- Birthdate
- 1917-07-17
- Date of death
- 06-12-2012
- Gender
- female
- Education
- University of Tübingen
Institute of Psychoanalysis, London - Occupations
- Psychoanalytikerin, Ärztin, Autorin
psychoanalyst
author
feminist - Organizations
- Internationale Psychoanalytische Vereinigung
- Awards and honors
- Großer Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland
Order of Merit, Federal Republic of Germany (2001) - Relationships
- Mitscherlich, Alexander (Ehemann)
- Short biography
- Margarete Mitscherlich, née Nielsen, was born in Gråsten, Denmark, the youngest daughter of a Danish doctor and a German teacher. She spent most of her childhood in Denmark before moving with her family to Germany. There she studied literature and graduated from a private school in Flensburg. She then decided to become a doctor and studied medicine at the universities of Munich and Heidelberg during World War II. In 1950, she received a doctoral degree from the University of Tübingen. She began psychoanalyst training at a clinic in Ticino, Switzerland, where she met her future husband, Alexander Mitscherlich; they married in 1955 and had a son. She completed her training in London at the Institute of Psychoanalysis under Anna Freud, Melanie Klein, and Michael Balint. Back in Germany, she worked at her husband's clinic in Heidelberg, before moving to Frankfurt. In 1960, the couple became co-founders of the Sigmund-Freud-Institut of psychoanalytic research. In 1967, they published Die Unfähigkeit zu trauern (The Inability to Mourn: Principles of Collective Behavior), in which they applied Freudian principles to explain Germany’s failure to face its wartime crimes. The book was an instant bestseller and led to a wave of a "culture of remembrance" of the Holocaust and the Nazi era and the overhaul of the German educational system to make the teaching of these events compulsory in schools. As a result Germany came to be regarded as providing a model for how societies should confront painful truths about the past. In her later years, Margaret Mitscherlich was known as the grande dame of German psychoanalysis. She became involved in the feminist movement and fought legal actions against degrading portrayals of women in the media. Other books included The Peaceable Sex: On Aggression in Women and Men (1985), The Future is Feminine (1987), and a memoir, Radical Age: Insights of a Psychoanalyst.
- Nationality
- Germany
- Birthplace
- Gravenstein, Nordschleswig
Gråsten, Denmark - Places of residence
- Frankfurt, Germany
Heidelberg, Germany - Place of death
- Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
- Associated Place (for map)
- Germany
Members
Reviews
Das Ende der Vorbilder: Vom Nutzen und Nachteil der Idealisierung (Serie Piper) (German Edition) by Margarete Mitscherlich
Margarete Mitscherlich hat diese bemerkenswerten Gedanken bereits in den 70er Jahren geschrieben, deren Folgejahrzehnte einen beispiellosen Run auf Heroes verzeichnete. Die Idealisierungen über Werbebilder und Promis hat mittlerweile ein epidemisches Ausmaß erreicht, in dem Leni Riefenstahl eigentlich gar nicht mehr auffallen würde. Blinder Amerikanismus, eine überquellende Film- und Medienindustrie, sekundiert von liebdienerischen Werbetextern haben inzwischen ein Stimmungsbild erzeugt, show more dessen Startschuss mit Ronald Reagan fiel und das sich heute im Governor Schwarzenegger manifestiert. Öffneten Reagan und Thatcher die Schleusen der freien Marktgläubigen, so scheinen diese heute in sich zusammenzufallen und mit Obama eine neue Hoffnungsfigur zu bekommen.
Nicht umsonst betont Obama das kooperative Prinzip, fernab möglicher Heldenverehrung. Er sagt immer wieder: we can! Das Buch von Margarete Mitscherlich vermittelt die Proleme der Idealisierung, das Verhältnis zum Terror, die Unterdrückung der Frau, mögliche Konflikte, narzistische Störungen sowie am Ende zwei bemerkenswerte Psychogramme von Kafka und Karl Kraus.
Das Problem jeglicher Idealisierung (Nachfolge bzw. Übernahme von Wertvorstellungen eines Ideals) ist das Ausschalten des eigenen Denkens, die Ich-Schwächung. Durch die Externalisierung des Ich-Ideals im dritten Reich wurden z.B. alle Schranken geöffnet, eine Delegation der Verantwortung auf den Führer machte Aggressionen ohne Beispiel möglich. Oder anders beleuchtet: bedingungsloser Hierarchiedruck machte sich Luft in der gedankenlosen Nachfolge: ein Problem wurde durch ein anderes substituiert.
Durch den freien Zugang zu Informationen sind heute Denk-Substitute per Heroes nicht mehr nötig. Sie erleben momentan ihren Zenit und Zusammenbruch gleichermaßen. Der Zugang zum Unbewußten, zum wirklichen Bewusstsein, wird meist überlagert durch Fremdbilder, sie hindern den Zugang zum eigenen Selbst, sie vernebeln die Klarsicht des eigenen Nicht-Bewussten, des eigentlichen Bewusstseins. Die Kraft zur Selbstreflexion ist umso stärker, je weniger man in Fremdbildern gefangen ist.
Die psychoanalytische Sicht auf Karl Kraus hat mich besonders fasziniert. Er zimmerte sich seine Feindbilder, ja er schrieb mit mörderischer Feder gegen sie an. Dabei schrieb er ein Leben lang gegen seine Melancholie an, gegen seine Schlaflosigkeit, seine aggressiven Attacken hinderten ihn daran, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Er hatte kein persönliches Schuldgefühl und musste konsequenterweise die Psychoanalyse mit Hohn und Spott überziehen. Diese fehlende Selbtreflektion, ja Ablenkung von der eigenen Tiefe, das fehlende Bewusstsein für eigene Schwächen: bei Kraus war die egomanische Selbstüberschätzung nichts anders als die Zurückdrängung seines Menschseins, ein manisch Abwehrender seiner Unzulänglichkeit. Stattdessen brannte seine Fackel der eigenen Bedeutung im Wahnsinn an der Grenze zum Gefühl des eigenen Gottseins. Ein Mitarbeiter Karl Kraus', Fritz Wittels, bezeichnete ihn als "Benjamin Eckelhaft" und verhöhnte ihn in dem Buch "Ezechiel, der Zugereiste", einer der Gründe für seine Ablehnung der Psychoanalyse. show less
Nicht umsonst betont Obama das kooperative Prinzip, fernab möglicher Heldenverehrung. Er sagt immer wieder: we can! Das Buch von Margarete Mitscherlich vermittelt die Proleme der Idealisierung, das Verhältnis zum Terror, die Unterdrückung der Frau, mögliche Konflikte, narzistische Störungen sowie am Ende zwei bemerkenswerte Psychogramme von Kafka und Karl Kraus.
Das Problem jeglicher Idealisierung (Nachfolge bzw. Übernahme von Wertvorstellungen eines Ideals) ist das Ausschalten des eigenen Denkens, die Ich-Schwächung. Durch die Externalisierung des Ich-Ideals im dritten Reich wurden z.B. alle Schranken geöffnet, eine Delegation der Verantwortung auf den Führer machte Aggressionen ohne Beispiel möglich. Oder anders beleuchtet: bedingungsloser Hierarchiedruck machte sich Luft in der gedankenlosen Nachfolge: ein Problem wurde durch ein anderes substituiert.
Durch den freien Zugang zu Informationen sind heute Denk-Substitute per Heroes nicht mehr nötig. Sie erleben momentan ihren Zenit und Zusammenbruch gleichermaßen. Der Zugang zum Unbewußten, zum wirklichen Bewusstsein, wird meist überlagert durch Fremdbilder, sie hindern den Zugang zum eigenen Selbst, sie vernebeln die Klarsicht des eigenen Nicht-Bewussten, des eigentlichen Bewusstseins. Die Kraft zur Selbstreflexion ist umso stärker, je weniger man in Fremdbildern gefangen ist.
Die psychoanalytische Sicht auf Karl Kraus hat mich besonders fasziniert. Er zimmerte sich seine Feindbilder, ja er schrieb mit mörderischer Feder gegen sie an. Dabei schrieb er ein Leben lang gegen seine Melancholie an, gegen seine Schlaflosigkeit, seine aggressiven Attacken hinderten ihn daran, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Er hatte kein persönliches Schuldgefühl und musste konsequenterweise die Psychoanalyse mit Hohn und Spott überziehen. Diese fehlende Selbtreflektion, ja Ablenkung von der eigenen Tiefe, das fehlende Bewusstsein für eigene Schwächen: bei Kraus war die egomanische Selbstüberschätzung nichts anders als die Zurückdrängung seines Menschseins, ein manisch Abwehrender seiner Unzulänglichkeit. Stattdessen brannte seine Fackel der eigenen Bedeutung im Wahnsinn an der Grenze zum Gefühl des eigenen Gottseins. Ein Mitarbeiter Karl Kraus', Fritz Wittels, bezeichnete ihn als "Benjamin Eckelhaft" und verhöhnte ihn in dem Buch "Ezechiel, der Zugereiste", einer der Gründe für seine Ablehnung der Psychoanalyse. show less
Apr 1, 2023German
Nov 27, 2014German
Nov 25, 2014German
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