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Antje Rávic Strubel

Author of Blaue Frau: Roman

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Image credit: Photo by user Temistokles / German Wikipedia

Works by Antje Rávic Strubel

Blaue Frau: Roman (2021) 47 copies, 5 reviews
Sturz der Tage in die Nacht (2011) 23 copies, 1 review
Kältere Schichten der Luft (2007) 19 copies
Tupolew 134 (2004) 16 copies
Unter Schnee: Roman (2001) 12 copies
Offene Blende (2001) 11 copies
Unter Schnee: Roman (2016) 4 copies

Associated Works

A Manual for Cleaning Women: Selected Stories (2015) — Translator, some editions — 2,216 copies, 76 reviews
Blue Nights (2011) — Translator, some editions — 1,919 copies, 70 reviews
The White City (2015) — Translator, some editions — 65 copies, 6 reviews

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9 reviews
There are two alternating stories going on here, both set in Helsinki a few years ago, but without any other very obvious connection until quite a long way into the book: in one, a young woman — Adina/Sala/Nina — who has grown up in a Czech ski resort is holed up on her own in a suburban apartment trying to work out how to take the next step in her life after being raped; in the other, a writer who grew up in East Germany is trying to recalibrate her ideas about East-West relations in show more the light of the rather different Finnish experience of being caught between two systems, and starts to find the germ of a novel in a series of encounters with the enigmatic Blue Woman.

At the centre of the book is Strubel's exploration of the way we seem to construct artificial competitions between different types of victimhood, where people who suffered under Stalinism can come to feel that they are getting less attention than those in other places who suffered under fascism, or vice-versa; or violence against women somehow gets left out when we are talking about politically or racially motivated violations of human rights. The rapist in the novel is a politician who has built his career on fighting for the rights of minorities; the victim likes to identify herself with the fictional figure of the Last of the Mohicans.

But there's a lot more going on here, especially on the subtleties of "East vs. West" as it plays out in Germany, Finland, Estonia and the Czech mountains. And on all sorts of other forms of exploitation, sexual, economic, or literary. A clever, poetic book, full of subtle touches, but somewhat frustrating to read at first because it takes such a long time to switch from atmosphere-building to actual narrative.
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Aufwühlend, bewegend, anstrengend, schwer „verdaulich“, unbedingt lesenswert und wichtig

»Es braucht klare Ansagen, wenn die, die ihre jahrhundertealte Meinungshoheit verlieren, diesen Verlust zum Ende der Meinungsfreiheit erklären.«

Ursprünglich aufmerksam auf “Blaue Frau” wurde ich durch die Vorstellung des Buches und dem Interview Denis Schecks mit Antje Rávik Strubel (https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/druckfrisch/sendung/druckfrisch-856.html) in dessen Sendung show more “Druckfrisch” (https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/druckfrisch/index.html).

Erst jedoch als ich Strubels in mehrerlei Hinsicht emotionale Dankesrede (https://youtu.be/FKC2GVM4T_A?t=3086) zum gewonnenen Deutschen Buchpreis sah, rückte dieses Buch sofort an die Spitze meines Stapels ungelesener Bücher.

Antje Rávik Strubel erzählt in “Blaue Frau” die Geschichte Adinas, einer jungen Tschechin, die während eines Praktikums in Deutschland sexualisierte Gewalt erlebt. Dabei arbeitet sich die Erzählerin durch Zeit und Raum und die verschiedenen Ebenen und Perspektiven ihrer Figuren.

Gerade im ersten Teil empfand ich dies teilweise als anstrengend und verwirrend - manchmal wurde mir erst im zweiten oder dritten Satz klar, wo und wann wir uns befinden. Die Autorin nötigte mir äußerste Aufmerksamkeit ab, legte dafür aber vorsichtig und behutsam nicht nur ihre Geschichte, sondern auch ihre Figuren schichtweise frei, ohne letztere dabei jemals bloßzustellen.

Was Adina er- und widerfährt, erzählt Antje Rávik Strubel überaus berührend, aber nie sentimental. Sie erzählt nicht von Gefühlen, sondern versteht es meisterhaft, diese mittels ihrer über weite Teile geradezu poetischen und gleichzeitig überaus präzisen Sprache lebendig werden zu lassen.

Dabei zielt Strubel nie auf Mitleid ab, sondern auf Miterleben und resultierendes Mitgefühl und das gelingt ihr - insbesondere ab etwa dem zweiten Drittel von “Blaue Frau” - wie sonst kaum jemandem.

Die Geschichte von Adinas Odyssee aus ihrem Heimatort in Tschechien nach Berlin über die Uckermark und schlußendlich nach Helsinki hat mich zeitweise vollkommen in ihren Bann gezogen. Förmlich eingesaugt in das Geschehen, bemerkte ich kaum, wie ich “plötzlich” von der Hälfte auf die letzten Seiten dieses Romans gelangte.

Die Einschübe, während derer die namensgebende “Blaue Frau” auftaucht und mit der die Schriftstellerin Zwiesprache hält, erlauben es nicht nur, das vorher Gelesene zu “verdauen” (was für mich nicht immer leicht war), sondern helfen auch bei der Reflexion desselben und tragen maßgeblich zum Verständnis bei. Nicht zuletzt waren sie mir auch stellenweise eine willkommene “Entschleunigung” und Befreiung aus dem Sog des Geschehens.

Durch Adinas Zusammentreffen mit Leonides Siilmann, einem estnischen Politikwissenschaftler, erfahren wir zudem scheinbar am Rande und doch wichtig für die Geschichte, über die doch sehr unterschiedliche Erinnerungskultur in Ost und West: War für das damalige West-Europa mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Zeit der Diktatur beendet, so waren doch die Jahrzehnte von 1945 bis 1991 - dem Untergang der Sowjetunion - für Ost-Europa, hier vertreten durch Estland, durch eine Diktatur unter anderem Vorzeichen geprägt.

»Erst, wenn eine Französin, wenn ein Deutscher bereit sind, zu sagen, der Gulag ist unser ureigenes Problem, so wie Auschwitz unser ureigenes Problem ist, steuern wir nicht mehr auf ein westliches, ein östliches, ein mittleres Europa, also auf den Zerfall Europas zu!«

Es ist ein weiteres großes Verdienst Antje Rávik Strubels, die selbst in der zweiten deutschen Diktatur gelebt hat (wir erinnern uns: 1989 erst fiel die Mauer, die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten war 1990), uns unaufdringlich auf die daraus resultierenden Unterschiede aufmerksam zu machen.

Mit der in achtjähriger Arbeit entstandenen “Blauen Frau” hat Antje Rávik Strubel einen Roman von existentieller Kraft und Wucht geschaffen, der völlig verdient den Deutschen Buchpreis 2021 erhalten hat. Mich hat “Blaue Frau” in ihren Bann gezogen, eingesaugt mitten in die Wirklichkeit des Romans und nicht mehr losgelassen.

Mich freut das auf vielerlei Ebenen: Für mich persönlich, denn das endende Jahr 2021 bescherte mir noch einen literarischen Paukenschlag und ein weiteres Buch, das sich augenblicklich zwischen meinen absoluten Favoriten wiederfindet.

Zu so unterschiedlichen Autor_innen wie Thomas Mann, Marion Gräfin Dönhoff, Siegfried Lenz, Mechtild Borrmann und Kristin Hannah gesellt sich mit Antje Rávik Strubel eine offen “queere” feministische Persönlichkeit. Das sorgt - hoffentlich noch für Jahrzehnte - für Diversität in der Literatur und neuen Geist in (nicht nur) alten Köpfen.

»Es gehörte zur Würde des Menschen, mit seinem richtigen Namen angesprochen zu werden, dachte Kristiina, auch wenn manche im Korrekten eine Doktrin sehen wollten, die sie dann verunglimpften.«

Die Vielschichtigkeit betonend und feiernd, beendete Antje Rávik Strubel folgendermaßen ihre anfangs bereits erwähnte Dankesrede:

»Rávik und ich sind Schriftstellerinnen, nicht Schriftsteller, und als solche manchmal ausgezeichnet mit einem Sternchen. Vielen Dank!«

Von mir sind es - und das fühlt sich geradezu vermessen an - fünf Sterne.


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In ihrem tschechischen Dorf ist Adina die letzte Jugendliche, außer den russischen Touristen kommt auch nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs kein wirkliches Leben mehr in die abgelegene Region im Riesengebirge. Nach der Schule fährt sie nach Berlin mit dem Ziel, dort erst die Sprache zu lernen und dann zu studieren. Mit der Fotografin Rickie lernt sie eine Frau kennen, die ganz anders ist als sie, offen, gewandt, die einfach tut, was sie tun möchte. Sie ist es auch, die ihr weiterhilft show more und ein bezahltes Praktikum mit freier Kost und Logis vermittelt, das jedoch im Desaster und einer neuerlichen Flucht endet. Nun versteckt sie sich in Helsinki, schuftet in einem Hotel, wo sie in einer Dachkammer hausen kann. Als sie dort den estnischen Professor Leonides Siilmann kennenlernt, könnte sich die Chance auf einen Neubeginn ergeben. Doch davor liegen noch Abgründe, die es zu überwinden gilt und Schluchten, die sich unerwartet auftun.

„Ich schlage deshalb vor, wie gehabt zu verfahren. Jeder von uns hat seine Schwachstellen, jeder macht Fehler. Wenn der jungen Frau etwas Schlimmes widerfahren ist, in Deutschland wohlgemerkt, muss sie sich an die entsprechenden Behörden wenden. Lasst uns aber nicht das große Ganze aus den Augen verlieren.“

Antje Rávik Strubels Roman eröffnet mit Fragezeichen. Man weiß, dass sich die junge Protagonistin versteckt, warum bleibt jedoch lange unklar. Sie ist offenkundig in einem fremden Land, sie benötigt einen Anwalt, was sie erlebt hat, muss schlimm gewesen sein. Sie will für Gerechtigkeit kämpfen und ahnt, dass dies ein ungleicher, unfairer und kaum zu gewinnender Kampf werden wird. Immer wieder taucht die blaue Frau auf, ein Geist, ein Gedanke offenbar, der Adina begleitet und leitet und Mut macht, auf dem Weg, der nicht steinig ist, sondern auf dem Felsen stehen.

Das Bild lichtet sich bald und nach und nach wird klar, dass es sich bei „Blaue Frau“ um die Geschichte einer missbrauchten, traumatisierten Frau handelt, die sich mächtigen älteren Männern gegenübersieht. Sie findet Unterstützer, doch auch diese erleben Hilflosigkeit ob der Machtstrukturen. Im großen Getriebe ist Adina nur ein Rädchen, ein ganz kleines, das keine Rolle spielt für die Maschinerie der Wirtschaft und Kultur und das doch bitte einfach funktionieren und den Betrieb nicht stören soll.

Es ist jedoch nicht nur das Einzelschicksal, das die Autorin schildert, sie setzt es in einen größeren Kontext, denn es ist Adinas spezifische Herkunft als Osteuropäerin, die jenen, die sie missbrauchen, zusätzliche Macht verleiht. Sie ist nicht Mensch zweiter Klasse – Frau – sondern dritter oder vierter Klasse, Mensch, dem keine Rechte und keine Würde zugesprochen werden. Dass sie einmal Träume hatte und ein Leben vor sich, darauf kann leider keine Rücksicht genommen werden.

Inhaltlich greift Strubel sowohl das Private wie auch europäische Fragen auf, offene Grenzen reißen nicht Mauern in Köpfen ein, ebenso wenig wie rechtliche Gleichberechtigung selbige auch in den Köpfen herstellt. Nicht chronologisch erzählt transferiert sie literarisch das Gedankenmäandern, das ganz typisch ist für Opfer von Gewalt, die sich in einem Strudel befinden und wo sich bisweilen Realitäten überlagern. Folglich ist die Nominierung auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2021 keine wirkliche Überraschung, sondern notwendige Konsequenz.
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Eine junge Frau aus Tschechien spart sich nach dem Schulabschluss durch Jobben im Skigebiet Geld zusammen. Sie geht nach Berlin, macht einen Sprachkurs und beginnt dann in einem entstehenden Kulturzentrum in der Uckermark ein unterbezahltes Praktikum. Dort wird sie von einem deutschen Kulturpolitiker vergewaltigt. Niemand glaubt ihr. Völlig traumatisiert flieht sie nach Helsinki, wo sie den estnischen Wissenschaftler und EU-Abgeordneten Leonides kennenlernt.
Das Buch beginnt in einer show more Rückblende, als Adina schon in Helsinki ist, springt dann nach Berlin, wo eigentlich erst klar wird, was geschehen ist und geht dann chronologisch zu Ende. Insofern fand ich es vor allem anfangs nicht ganz einfach zu folgen. Die titelgebende blaue Frau kommt immer wieder vor, mal als eine Art Feenwesen, mal aber auch ganz real. Was ist sie? Ich weiß es nicht.
Insgesamt aber gibt das Buch mir viel zu denken. Ich lebe nahe der tschechischen Grenze und habe vielfältige Berührungen mit Tschechien. Was ist das Land, sind die Menschen dort für mich? Das Buch bringt sehr gut heraus, wie marginalisiert im Image oder Status insgesamt die Menschen aus Osteuropa in Deutschland sind. Was überhaupt ist Osteuropa? Wien liegt wesentlich östlicher als Prag, Tschechien gehört weder politisch noch geografisch zu Osteuropa. Wahrscheinlich meinen wir Westdeutschen die ehemaligen Länder des Warschauer Pakts, wenn wir von Osteuropa sprechen.
Wie also denke ich, denken die Westdeutschen über Tschechien im Vergleich zu anderen Nachbarländern, beispielsweise Dänemark oder Frankreich? Fühlen wir uns nah, fühlen wir uns verwandt, vll. sogar verantwortlich?
Wäre Adina das gleiche passiert, wenn sie nicht als Osteuropäerin wahrgekommen worden wäre, sondern aus Italien, Schweden oder England gekommen würde? Es sind viele Aspekte, die zu Adinas Tragödie beitragen: Sie ist jung, sie ist eine Frau, sie ist einsam, und sie kommt aus Tschechien. Hingegen schützt sie ihre Intelligenz, ihre Phantasie und doch auch ihre Jugend.
Das Buch gibt mir zumindest verschiedene Aufträge, zum einen nicht wegzuschauen, zum anderen Europa als Ganzes wahrzunehmen.
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