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Mario Adorf (1930–2026)

Author of Himmel und Erde: Unordentliche Erinnerungen

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Le Tambour 1 copy

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Smiley's People [1982 TV mini series] (1982) — Actor — 114 copies
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Mario Adorf macht(e) auf mich immer den Eindruck eines glücklichen, gefestigten, selbstbewussten Menschen, immer irgendwie den Schalk im Nacken. Woher kommt es? Dieses Buch gibt berührende Antworten, vor denen man Ehrfurcht haben muss.

Eine versenkbare Nähmaschine (die aber später selten versenkt wurde), das immerwährende Fußantreiben, der Schwung des wippenden Rades nach oben, das Nähen und Immerweiter - seine Mutter ist Näherin aus Leidenschaft, ihr Sohn nimmt an dieser Leidenschaft show more Anteil, sie sichert beider Überleben in schwerer Zeit. „Denn für meine Mutter war diese Nähmaschine das Werkzeug ihres Lebens, sie schien ihr über Jahrzehnte fast wie ein Teil ihres Körpers. Sie war der Gaul, der uns über die ganzen Jahre am Leben erhielt, von den geschundenen Bein meine Mutter angetrieben und mit ihren geschickten Händen gelenkt.“

Mario Adorf schreibt einfach berührend, seine Sätze sind Erinnerungsjuwele an seine Mutter: „ Wie alt, zerkratzt und stumm erscheint sie mir nun. Aber dann, auf einmal, sehe ich sie wieder, die wippenden Füße meiner Mutter auf dem Pedal, höhre das Schnurren oder schnellere Rattern, das Langsamwerden, das Anhalten, dass Schnippen der Schere, die die Fäden trennt, dann das leise Ächzen meiner Mutter, wenn sie sich kurz aufrichtet, durchatmet, wieder den Hebel löst, der den stählernen Pressfuß auf den Stoff senkt, und wie sie mit der rechten Hand die Maschine durch ein leichtes Anwerfen des Schwungrades wieder in Gang bringt.“

Und mitten drin ist man in der Erzählungen seiner Vorfahren, die Mario Adorf wie das Wippen des Schwungrades aufgreift und aufspinnt. Der Vater seiner Mutter war ein Sattlermeister in Zürich, streng zu Frau und Kindern, damit auch zur Mutter des Mario, die als letztes der vier Kinder am 27.12.105 zur Welt kommt. Mario Adorf beschreibt eines der ersten Bilder seiner Mutter, bei dem ein streng dreinblickender Caspar Adorf, sein Großvater, zu sehen ist. Man vermisst nicht, das Bild nicht zu sehen. Die Beschreibungen Adorfs sind bildhaft und merkfähig genug.

Die Liebe der Schweizer zu den Deutschen (alle als Schwoob betitelt, Caspar Adorf kam aus der Eifel) war mäßig, sie musste es von ihren Grundschulfreundinnen leider hören: „Gönnd usse, ihr Schwoob.“ Ihre Mutter stirbt mit knapp über 40. Der Vater stirbt (auch) aus Gram über die nahende Niederlage des geliebten Kaisers, die Rest-Familie siedelt zu Verwandten nach Mayen in der Eifel über, aber das Leben ist schwer. Nur das (vermachte) Geld des Vaters sichert ein Leben knapp über dem Hunger.

Alice, die Mutter Mario Adorfs, verlässt dieses triste Dasein und geht zurück in ihre Geburtsstadt Zürich, wird Gesellschaftsdame, hat Glück, Pech, aber einen Sohn wie ihn sich jede Mutter wünschen würde. Er findet Halt und Liebe in ihrem unverbrüchlichen, starken Schutz.

Ein wunderbares Buch, das klar macht, woher Adorfs ruhige, besonnene, lebensfrohe, ausgeglichene Art her rührt. Ein Leben aus dem letzten Jahrhundert, vom Hunger und Leiden herkommend, eine Klammer in die Neuzeit, mit Angst und Zusammenrücken aller, das wir alle heute nicht mehr kennen.
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