Wilhelm Genazino (1943–2018)
Author of The Shoe Tester of Frankfurt
About the Author
Disambiguation Notice:
(yid) VIAF:118371234
(ger) VIAF:76374037
Image credit: Copyright © Stadt Heidelberg 2011
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Works by Wilhelm Genazino
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Common Knowledge
- Canonical name
- Genazino, Wilhelm
- Birthdate
- 1943-01-22
- Date of death
- 2018-12-12
- Gender
- male
- Education
- Johann Wolfgang Goethe University
- Occupations
- journalist
- Organizations
- Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
Bayrische Akademie der schönen Künste, Abteilung Literatur - Awards and honors
- Georg Büchner Preis (2004)
Solothurner Literaturpreis (1995)
Hans Fallada Prize (2004) - Nationality
- Germany
- Birthplace
- Mannheim, Germany
- Places of residence
- Frankfurt am Main, Germany
Heidelberg, Germany - Place of death
- Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
- Disambiguation notice
- VIAF:76374037
- Associated Place (for map)
- Germany
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Reviews
The opening of this book wasn't encouraging: an unnamed first-person narrator wanders through the streets of an unnamed city (Frankfurt), bumping into various women he's known in the past. We learn that he's heading into middle-age, has recently been left by his long-term girlfriend, and has no employment except a precarious and poorly-paid job test-walking prototypes of luxury shoes for a local manufacturer. Clearly the starting-point for yet another of those white-heterosexual-male show more self-pity books...
But that's not quite what we get. There's no solipsism and self-pity here, the narrator remains aware of the needs and emotions of his (women-) friends and is able to look at his own plight and the human condition (the long rainy day against which our bodies form the umbrellas) with detachment and a sense of irony, and the author connives to allow the slightly absurd depression-management strategies the narrator jokily proposes to himself actually to produce results: focussing on the sound of autumn leaves underfoot (he fills a spare room with them), visualising throwing his jacket away into the bushes, giving his depression a name (Gertrud) and wrestling with her, and so on.
So, an oddly upbeat, encouraging little book, and it's also full of lovely, unexpected little bits of wittily-detailed observation of the urban scene: people acting oddly in the street or in restaurants, or as seen from the windows of the narrator's apartment; the sales manager of the shoe company, who insists on trapping the narrator in long discussions about 1970s model railway equipment when he delivers his shoe-reports; Frau Balkhausen, who tells a local TV reporter that she likes looking at floodwater because it feels good to imagine that you're watching the end of the world. And much more. Clearly, the world is a much odder place for Genazino than most of us give it credit for. show less
But that's not quite what we get. There's no solipsism and self-pity here, the narrator remains aware of the needs and emotions of his (women-) friends and is able to look at his own plight and the human condition (the long rainy day against which our bodies form the umbrellas) with detachment and a sense of irony, and the author connives to allow the slightly absurd depression-management strategies the narrator jokily proposes to himself actually to produce results: focussing on the sound of autumn leaves underfoot (he fills a spare room with them), visualising throwing his jacket away into the bushes, giving his depression a name (Gertrud) and wrestling with her, and so on.
So, an oddly upbeat, encouraging little book, and it's also full of lovely, unexpected little bits of wittily-detailed observation of the urban scene: people acting oddly in the street or in restaurants, or as seen from the windows of the narrator's apartment; the sales manager of the shoe company, who insists on trapping the narrator in long discussions about 1970s model railway equipment when he delivers his shoe-reports; Frau Balkhausen, who tells a local TV reporter that she likes looking at floodwater because it feels good to imagine that you're watching the end of the world. And much more. Clearly, the world is a much odder place for Genazino than most of us give it credit for. show less
Gerhard Warlich, promovierter Philosoph, gelangte über einen Aushilfsjob in einer Wäscherei auf die Stelle des Geschäftsführers, die er nun schon seit 15 Jahren zur Zufriedenheit des Eigentümers ausfüllt. Doch er selbst ist alles andere als zufrieden. Er fühlt sein Leben an sich vorbeiplätschern, ereignislos, ein Tag wie der andere und meint, dieses Problem auch bei den meisten anderen Menschen zu erkennen. In seinem Innern erhofft er sich noch immer eine Stellung, die seines show more Studiums angemessen ist und damit die Eintönigkeit seines Daseins beendet. Dennoch ist ihm bewusst, dass es ihm im Grunde genommen gut geht und er keinen Anlass zum Klagen hat: Seine Beziehung zu Traudel ist noch immer glücklich, ihre Existenz durch gute Gehälter gesichert. Aber Warlich fühlt sich eingezwängt in ein Leben, das ihm außer dem täglichen Einerlei nur wenig zu bieten hat. Und als Traudel einen Kinderwunsch äußert, wird die Beengtheit unerträglich...
Es ist nun wirklich keine leichte Kost, diese Lesung. Insbesondere da die Gedankengänge des Protagonisten teilweise recht sprunghaft verlaufen und man als Zuhörende/r konzentriert dabei bleiben muss, um sie nachvollziehen zu können. Auch dann fällt es nicht immer leicht, so dass manches einfach nur mit leichtem Kopfschütteln hingenommen wurde.
Für mich ist Warlichs Geschichte etwas typisches nicht nur unserer Zeit, doch ist man sich dessen heutzutage viel bewusster (und als Philosoph wohl erst recht :-)). Viele leben ihr Leben nicht, sie 'werden gelebt'. Es gibt kein aktives Handeln, sondern nur ein Reagieren und irgendwo im Unbewussten regt sich darüber nach und nach ein Unwohlsein. Man 'rutscht' in bestimmte Verhältnisse, den Job, die Beziehung, zieht zusammen, ist plötzlich Vater, Mutter.... und weiß am Ende nicht, wann man sich eigentlich dafür bewusst entschieden hat. Vielleicht nie... Auch wenn sich das Alles nun eher trist anhören mag, es gibt auch humorvolle Momente in dieser Geschichte.
Sylvester Groth liest das Ganze so, dass man die Trostlosigkeit des Protagonisten gut nachvollziehen kann: etwas kraftlos, mit Energie nur wenn er seine Tagträume zumindest in Worte umsetzt - man sieht Gerhard Warlich wirklich vor sich. show less
Es ist nun wirklich keine leichte Kost, diese Lesung. Insbesondere da die Gedankengänge des Protagonisten teilweise recht sprunghaft verlaufen und man als Zuhörende/r konzentriert dabei bleiben muss, um sie nachvollziehen zu können. Auch dann fällt es nicht immer leicht, so dass manches einfach nur mit leichtem Kopfschütteln hingenommen wurde.
Für mich ist Warlichs Geschichte etwas typisches nicht nur unserer Zeit, doch ist man sich dessen heutzutage viel bewusster (und als Philosoph wohl erst recht :-)). Viele leben ihr Leben nicht, sie 'werden gelebt'. Es gibt kein aktives Handeln, sondern nur ein Reagieren und irgendwo im Unbewussten regt sich darüber nach und nach ein Unwohlsein. Man 'rutscht' in bestimmte Verhältnisse, den Job, die Beziehung, zieht zusammen, ist plötzlich Vater, Mutter.... und weiß am Ende nicht, wann man sich eigentlich dafür bewusst entschieden hat. Vielleicht nie... Auch wenn sich das Alles nun eher trist anhören mag, es gibt auch humorvolle Momente in dieser Geschichte.
Sylvester Groth liest das Ganze so, dass man die Trostlosigkeit des Protagonisten gut nachvollziehen kann: etwas kraftlos, mit Energie nur wenn er seine Tagträume zumindest in Worte umsetzt - man sieht Gerhard Warlich wirklich vor sich. show less
Herr Rotmund hat sich in seinem beschädigten Leben halbwegs eingerichtet -- und das im wahrsten Sinne des Wortes. Halbwegs hat sich der 43-jährige Protagonist und Ich-Erzähler aus Wilhelm Genazinos Roman Mittelmäßiges Heimweh von Frau und Kind getrennt, es geht ihm halbwegs gut und halbwegs schlecht. Halbwegs leidet er am Dasein und dann doch eigentlich auch wieder nicht. Alles ist Mittelmaß in seinem Leben. Wenn er sich freut, dann nur „ein bisschen“. Wenn er sich grämt, dann nur show more „ein bisschen“. Das fehlende Andere reicht, um immer mehr aus dem Alltag ins Nichts völliger Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Auch dieses Verschwinden hat Genazino auf eindrückliche und eindringliche Weise sichtbar gemacht. Denn die einzigen Momente, die als schärfe Kanten aus dem Meer an Mittelmaß herausragen, sind jene, wo Herrn Rotmund ein Körperteil abhanden kommt. „Plötzlich sehe ich unter einem der vorderen Tische ein Ohr von mir liegen“, heißt es an einer Stelle, an einer anderen verliert er im Schwimmbad einen Zeh. Für Rotmund ist dies allerdings kein Grund, die Signale zu verstehen. Er umschifft die Klippen, um dann wieder zur Normalität zurückzukehren. Hatte der Verlust von Körperteilen in der Aufklärung -- etwa in Voltaires Candide oder in Johann Carl Wezels Belphegor -- die Funktion, den Pessimismus augenfällig zu berechtigen, verweist er in Mittelmäßiges Heimweh nicht mehr auf die Schlechtigkeit der Welt. Erkenntnisse sind Herrn Rotmund nicht vergönnt. Er löst sich einfach auf.
Mittelmäßiges Heimweh ist traurig. Es zeigt einen Helden, der haltlos durch die Wirklichkeit torkelt und dabei an Seele und Körper Schaden nimmt, ohne es zu merken. Das alles ist grandios beschrieben und zu lesen ein Genuss. Denn Genazino ist ein ganz Großer in der deutschen Literatur, mit einem seismographischen Gespür für (nicht nur) deutsche Befindlichkeiten. Hierfür ist Mittelmäßiges Heimweh ein weiterer Beweis. -- Thomas Köster, literaturanzeiger.de show less
Ein Mensch von siebzehn Jahren fliegt vom Gymnasium, das kommt vor. Für Weigand selbst ist das nicht weiter tragisch, denkt er doch sowieso immer nur ans Lesen und Schreiben. Und daran, endlich erwachsen zu werden und die drei Dinge zu haben, die es dazu braucht: eine Frau, eine Wohnung und einen eigenen, selbst geschriebenen Roman. Genau in dieser Reihenfolge. Mit Gudrun ist er so gut wie verlobt. Die beiden besitzen schon ein gemeinsames Sparkonto, ansonsten haben sie aber beschlossen, show more keusch ihrer wahren Vereinigung entgegenzusehen. Die Mutter sieht die Zukunft ihres Sohnes allerdings praktischer und sucht mit ihm nach einer Lehrstelle. Er mag sich dabei so ungeschickt anstellen, wie er will, zuletzt findet sich doch eine Firma, die ihn ausbilden will. Gleichzeitig druckt das Lokalblatt zum ersten Mal einen seiner Texte. Ein Doppelleben beginnt: Tagsüber ist er Lehrling in einer Spedition, abends lotet er als Reporter das kleinbürgerliche Leben in der Provinz aus, schreibt über die Autogrammstunden deutscher Schlagersänger oder italienische Wochen im Kaufhaus mit Caterina-Valente-Musik und kommt sich sehr wichtig vor. Doch dieses Gefühl hält nicht lange an. Er, der sich der Literatur verschrieben hat, ist bereits ein zu genauer Beobachter. Unversehens geht ein Riss durch seine Existenz. show less
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