Judith N. Shklar (1928–1992)
Author of Ordinary Vices
About the Author
Image credit: Judith N. Shklar in 1959
Works by Judith N. Shklar
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Common Knowledge
- Legal name
- Shklar, Judith Nisse
- Birthdate
- 1928-09-24
- Date of death
- 1992-09-17
- Gender
- female
- Education
- McGill University (BA|1949)
McGill University (MA|1950)
Harvard University (PhD|1955) - Occupations
- professor of government
political theorist - Organizations
- Harvard University
American Political Science Association - Relationships
- Hoffmann, Stanley (Collègue)
- Nationality
- Latvia
- Birthplace
- Riga, Latvia, USSR
- Place of death
- Cambridge, Massachusetts, USA
- Map Location
- USA
- Associated Place (for map)
- Riga, Latvia, USSR
Members
Reviews
In three lectures given at Yale in 1988, Shklar breaks down what we mean by the concept of injustice — which is a lot broader than just “the opposite of justice” — looks at the complicated relationship between injustice and misfortune, and looks at the importance of a sense of injustice as a political instrument in shaping the societies we live in.
She argues — in prose that is almost scarily clear and accessible to non-philosophers — that instead of getting hung up on what makes show more the perpetrators of injustice interesting (tyrants, criminals, abusers of public office and those of us who aren’t prepared to stand up and do our duty as citizens), we need to focus on the experience of those who experience injustice, whether as victims or as concerned fellow citizens. Listening to those who feel they have a grievance needs to be a key part of democratic decision making. In a world where there is inequality, judges or political leaders can never entirely avoid disappointing the expectations of some people when they do something (or fail to do something), but at least they can try to respect the rights of all parties to be heard, and the voice of the weak should count for more than the voice of the strong (although it won’t, of course). show less
She argues — in prose that is almost scarily clear and accessible to non-philosophers — that instead of getting hung up on what makes show more the perpetrators of injustice interesting (tyrants, criminals, abusers of public office and those of us who aren’t prepared to stand up and do our duty as citizens), we need to focus on the experience of those who experience injustice, whether as victims or as concerned fellow citizens. Listening to those who feel they have a grievance needs to be a key part of democratic decision making. In a world where there is inequality, judges or political leaders can never entirely avoid disappointing the expectations of some people when they do something (or fail to do something), but at least they can try to respect the rights of all parties to be heard, and the voice of the weak should count for more than the voice of the strong (although it won’t, of course). show less
Shklar's writing is enlightening and profound, but was often difficult to read and understand. The material itself, however, is gold. Her exploration of misfortune and injustice are deep and enlightening.
Judita NIsse war ihr Geburtsnamen, geboren in Riga, als jüngste von drei Töchtern einer wohlhabenden, gebildeten jüdisch-deutschen Familie, die immer auch karitativ arbeitete. Sie wächst in einer Gesellschaft auf, die in den Wirren von Revolutionen und Krieg durch und durch korrupt ist, arme Landarbeiter, plötzlich an der Macht, genossen diese und andere mussten klein beigeben. Die Ergebnisse von Gesellschaften, die andere knechteten, schlagen nie in Gerechtigkeit, sondern in Macht und show more eine andere Art von Ausbeutung um. Gepaart mit Armut und Hunger herrschte in Riga eine gespannte Atmosphäre, in der vielerlei Gruppen und Religionszugehörigkeiten überleben mussten. "Man konnte damit rechnen, einen Mann regunglos vor Trunkenheit oder Erschöpfung auf dem Gehsteig liegen zu sehen. Jede Familie, egal welcher Einkommensschicht, hatte Angehörige, die von Almosen lebten."
Zu wissen, dass einen viele lieber tot als lebendig gesehen hätten, es schärfte ihr Urteilsvermögen und das Gefühl für Grausamkeit. Ihr Vater geht einmal im Jahr in die Synagoge, die Mutter lebt religionsfeindlich. Der Vater wird Zionist und man lernte schon als Kind, jeden um sich herzum zu hassen, weil jeder andere einen hasste, sagte sie. Körperliche Fitness, Härte, Standhaftigkeit, Ausdauer, fast preußische Eigenschaften erhalten sie mit auf den Weg inkl. der Hoffnung auf die sozialdemokratische Idee, jeden zu einem guten Staatsbürger zu machen. Ihre Familie wandert vor dem Krieg nach Kanada aus, sie bildet sich dort (Juden werden in Kanada damals ebenfalls benachteiligt) vor allem über Bücher weiter: darin kann es gar nicht so brutal sein wie ihre Realität. Eine große Karriere als Universitätslehrerin in den USA folgt, in der sie als Frau im akademischen Betrieb benachteiligt ist, sich aber durchzusetzen versteht.
Kant meinte, dass Despotismus seine Untertanen zu ewiger Unmündigkeit verdamme, was hieß, keinen Charakter wählen zu können. Sie würden folgsame Kinder bleiben - und zwar durch und durch böse Kinder. Wenn wir trotzdem frei werden und mündig, dann kommen große Hindernisse auf uns zu. Man muss die Vortäuschungen und Grausamkeiten selbst aus dem Weg räumen, die ein religiöses Establishment über Jahrhunderte perfektioniert hat. Fügsamkeit und Regierbarkeit waren gewünscht und haben Laster der unterschiedlichsten Art perfektioniert: Furcht, Grausamkeit, Snobismus, Heuchelei, Gier - all diese negativen Dinge, die uns davon abhalten, ein mitfühlender Mensch zu werden sind abhängig davon, in welchen Umständen wir leben.
Judith Shklar beschreibt die Charakterentwicklung der Menschheit unter verschiedenen Systemen und die Ausprägungen von Heuchelei, Snobismus, Verrat und Grausamkeit. Sie plädiert dafür, Laster vorurteilsfrei zu sehen, ihnen ihre Notwendigkeiten zuzuweisen, ihre konstitutionellen Elemente zu analysieren: Das spirituelle Innere des Einzelnen, seine Motive und seine tiefsten Impulse gehen den Staat und andere Personen nichts an. Heuchelei und Snobismus sind die einzigen Laster, die in einer liberalen Demokratie Urstände feiern, meint sie - ihnen entgegenzustehen ist die Aufgabe eines jeden in einer von Partikularinteressen durchzogenen Gesellschaft.
Liberalismus heißt für Shklar, verschiedene Religionen und Ideologien in einem Staat ausgleichen zu können, tolerant miteinander zu leben, auch gegen die Laster des anderen. Die sinnlose Grausamkeit ist für sie das einzige Laster, das von politischen Umständen unabhängig und am meisten zu verurteilen ist.
Ich bin nicht sicher, ob ich Grausamkeit als Laster definieren würde. Sie war biologisch gesehen immer umso stärker präsent, je mehr eine Gruppe von außen bedroht, je mehr sie an den Boden gedrückt wurde. Diese archaischen Muster sind solange in uns latent aktiv, als Gerechtigkeit und Chancengleichheit weltweit nicht hergestellt sind. Grausamkeit ist ein Akt der Befreiung von Schmach und Nichtbedeutung. Sie zu verhindern ist m.E. die erste Aufgabe überhaupt.
Das Buch ist hervorragend übersetzt, es liest sich nicht immer einfach, immer aber mit Gewinn, es skizziert das Minenfeld der Laster, indem wir uns heute mehr denn je bewegen, inszeniert u.a. durch eine gierige Presse und ebenso gierige, bislang marginalsierte Menschen, die erstmalig im Netz ihre Meinungen kundtun dürfen: eine hochexplosive Mischung aus offenen und versteckten Grausamkeiten als Ergebnis von Unterdrückung in der Vergangenheit, sprudelnde Quellen der Lust für so viele Menschen, die im Netz unterwegs sind.
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Zu wissen, dass einen viele lieber tot als lebendig gesehen hätten, es schärfte ihr Urteilsvermögen und das Gefühl für Grausamkeit. Ihr Vater geht einmal im Jahr in die Synagoge, die Mutter lebt religionsfeindlich. Der Vater wird Zionist und man lernte schon als Kind, jeden um sich herzum zu hassen, weil jeder andere einen hasste, sagte sie. Körperliche Fitness, Härte, Standhaftigkeit, Ausdauer, fast preußische Eigenschaften erhalten sie mit auf den Weg inkl. der Hoffnung auf die sozialdemokratische Idee, jeden zu einem guten Staatsbürger zu machen. Ihre Familie wandert vor dem Krieg nach Kanada aus, sie bildet sich dort (Juden werden in Kanada damals ebenfalls benachteiligt) vor allem über Bücher weiter: darin kann es gar nicht so brutal sein wie ihre Realität. Eine große Karriere als Universitätslehrerin in den USA folgt, in der sie als Frau im akademischen Betrieb benachteiligt ist, sich aber durchzusetzen versteht.
Kant meinte, dass Despotismus seine Untertanen zu ewiger Unmündigkeit verdamme, was hieß, keinen Charakter wählen zu können. Sie würden folgsame Kinder bleiben - und zwar durch und durch böse Kinder. Wenn wir trotzdem frei werden und mündig, dann kommen große Hindernisse auf uns zu. Man muss die Vortäuschungen und Grausamkeiten selbst aus dem Weg räumen, die ein religiöses Establishment über Jahrhunderte perfektioniert hat. Fügsamkeit und Regierbarkeit waren gewünscht und haben Laster der unterschiedlichsten Art perfektioniert: Furcht, Grausamkeit, Snobismus, Heuchelei, Gier - all diese negativen Dinge, die uns davon abhalten, ein mitfühlender Mensch zu werden sind abhängig davon, in welchen Umständen wir leben.
Judith Shklar beschreibt die Charakterentwicklung der Menschheit unter verschiedenen Systemen und die Ausprägungen von Heuchelei, Snobismus, Verrat und Grausamkeit. Sie plädiert dafür, Laster vorurteilsfrei zu sehen, ihnen ihre Notwendigkeiten zuzuweisen, ihre konstitutionellen Elemente zu analysieren: Das spirituelle Innere des Einzelnen, seine Motive und seine tiefsten Impulse gehen den Staat und andere Personen nichts an. Heuchelei und Snobismus sind die einzigen Laster, die in einer liberalen Demokratie Urstände feiern, meint sie - ihnen entgegenzustehen ist die Aufgabe eines jeden in einer von Partikularinteressen durchzogenen Gesellschaft.
Liberalismus heißt für Shklar, verschiedene Religionen und Ideologien in einem Staat ausgleichen zu können, tolerant miteinander zu leben, auch gegen die Laster des anderen. Die sinnlose Grausamkeit ist für sie das einzige Laster, das von politischen Umständen unabhängig und am meisten zu verurteilen ist.
Ich bin nicht sicher, ob ich Grausamkeit als Laster definieren würde. Sie war biologisch gesehen immer umso stärker präsent, je mehr eine Gruppe von außen bedroht, je mehr sie an den Boden gedrückt wurde. Diese archaischen Muster sind solange in uns latent aktiv, als Gerechtigkeit und Chancengleichheit weltweit nicht hergestellt sind. Grausamkeit ist ein Akt der Befreiung von Schmach und Nichtbedeutung. Sie zu verhindern ist m.E. die erste Aufgabe überhaupt.
Das Buch ist hervorragend übersetzt, es liest sich nicht immer einfach, immer aber mit Gewinn, es skizziert das Minenfeld der Laster, indem wir uns heute mehr denn je bewegen, inszeniert u.a. durch eine gierige Presse und ebenso gierige, bislang marginalsierte Menschen, die erstmalig im Netz ihre Meinungen kundtun dürfen: eine hochexplosive Mischung aus offenen und versteckten Grausamkeiten als Ergebnis von Unterdrückung in der Vergangenheit, sprudelnde Quellen der Lust für so viele Menschen, die im Netz unterwegs sind.
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Mar 7, 2023German
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